29/10/2015: IAKS All Time Award für das Olympiastadion Berlin

Olympiastadion und gmp wurden am 27.10. geehrt

Wettbewerb 1998 – 1. Preis
Entwurf Volkwin Marg und Hubert Nienhoff
Mitarbeiter Entwurf Annette Menting, Nicolas Pomränke, Andreas Wosnik
Leitung Planungsgemeinschaft Kemal Akay, Uwe Grahl
Gesamtprojektleitung Jochen Köhn, Annette Menting (bis Juni 2000)
Projektleitung Dach Martin Glass,
Ivanka Perkovic
Mitarbeiter Dach Katja Bernert, Dagmar Weber, Ralf Sieber
Projektleitung Innenausbau, Sanierungsplanung Alexander Buchhofer
Mitarbeiter Innenausbau, Sanierungsplanung Silvia Schneider, Anja Hassler, Elke Hoffmeister, Sven Schmedes, Igor Markov, Radoslaw Pilarski, Beate Kling, Holger Betz, Elisabeth Menne, Birgit Ricke, Stephanie Hübsch
Statik Krebs und Kiefer, Darmstadt/Berlin (Tragwerksplanung, Betonsanierung) schlaich bergermann und partner, Stuttgart (Membrankonstruktion und Gussknoten)
Prüfingenieur Prof. Dr.-Ing. M. Specht, Berlin
Windgutachten Wacker-Ingenieure, Karlsruhe und Institut für Industrieaerodynamik, Aachen
Gutachten für Sonderstähle RWTH Aachen, Lehrstuhl für Stahlbau und Ingenieurbüro für Werkstofftechnik, Aachen
Haustechnik Schmidt Reuter Partner, Hamburg
Medien- und Nachrichtentechnik Ingenieurbüro Heimann, Berlin
Lichtplanung Conceptlicht Angerer, Traunreut, Edgar Schlaefle
Akustik Akustik Design Ahnert, Berlin
Bauherr Land Berlin, vertr. durch die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen, Wohnen und Verkehr
Konzessionär und Generalübernehmer Walter Bau-AG vereinigt mit DYWIDAG
Planungszeit 1998–2000
Bauzeit 2000–2004
Sitzplätze 74.475

Die Internationale Vereinigung für Sport- und Freizeiteinrichtungen (IAKS) hat am 27. Oktober im Congress-Centum Nord der Koelnmesse einen All Time Award an das Olympiastadion Berlin verliehen. Gemeinsam geehrt wurden die Olympiastadion Berlin GmbH als Betreiberin und die Planer des umfassenden Umbaus (2000-2004), gmp · Architekten von Gerkan, Marg und Partner, Berlin.

Das Stadion ist Teil des Olympiaparks Berlin, einer der bedeutendsten Sportkomplexe weltweit. Es wurde anlässlich der Olympischen Sommerspiele 1936 nach einem Entwurf von Werner March gebaut. Wie auch die übrigen Bauwerke auf dem 130 Hektar großen Areal des damaligen Reichssportfeldes, lehnt sich seine Formensprache an die griechische Antike an. Das nach oben offene Oval der Arena wird von einer monumentalen Muschelkalkfassade eingefasst. Anlässlich der Fußball-Weltmeisterschaft 1974 erhielt das Olympiastadion eine Teilüberdachung, die im Zuge der Sanierung und des Umbaus ab 2000 in Vorbereitung auf den FIFA World Cup 2006 durch eine neue Überdachung ersetzt wurde.

Die anspruchsvolle Aufgabe des Büros gmp - Architekten von Gerkan, Marg und Partner bestand darin, das denkmalgeschützte Bauwerk behutsam zu sanieren und es zugleich entsprechend den modernen Anforderungen an eine multifunktionale Arena zu modernisieren. Eine Schlüsselrolle kam der Konstruktion und Gestaltung des Daches zu. Um die historische Öffnung des - eben auch politischen - Baudenkmals zum westlich angrenzenden Maifeld mit Glockenturm und Langemarckhalle (einem nekrophilen Totentempel der Nationalsozialisten, der seit 2006 ein von gmp Architekten geplantes Dokumentationszentrum mit der Dauerausstellung „Geschichtsort Olympiagelände“ beherbergt) freihalten zu können, entschieden sich die Planer gegen eine geschlossene Ringkonstruktion. Stattdessen überdacht ein Stahlrohrfachwerk mit 68 Metern Spannweite, das auf 20 sehr schlanken Baumstützen im Bereich der Oberringtribüne lagert, sämtliche knapp 75.000 Plätze. Mit seiner feingliedrigen Konstruktion und Materialwahl - die Dachhaut wird aus einer transluzenten Membran gebildet - setzt sich das Dach bewusst von der massiven Tektonik des historischen Bauwerks ab.

Der Unterring der Tribüne wurde komplett erneuert, näher an den Spielfeldrand herangeführt und um VIP-Boxen ergänzt. Dank eines großen Lounge-Bereichs und einer 2012 ergänzten Show-Küche hat sich das Olympiastadion Berlin, neben seiner Rolle als Arena für große Sportveranstaltungen, Konzerte und eine Papst-Messe (2011), auch als moderner und technisch bestens ausgestatteter Ort für jährlich mehrere hundert Veranstaltungen und auch für Film- und Fernsehproduktionen etabliert. Selbst Hochzeiten können im Stadion gefeiert werden, in einer ebenfalls von gmp Architekten entworfenen Kapelle für bis zu 70 Personen, die auch den Sportlern und Betreuern für eine persönliche Andacht vor dem Wettkampf dient.

Beim Betrieb des Stadions spielen ökologische Aspekte eine große Rolle. Infolge des Umbaus spart die Olympiastadion Berlin GmbH jährlich 1,5 Millionen Kilowattstunden an elektrischer und 600.000 Kilowattstunden an Wärmeenergie sowie 20.000 Kubikmeter Wasser ein. Der Kohlendioxid-Ausstoß konnte so um rund 915 Tonnen pro Jahr reduziert werden.

Der Wettbewerbserfolg beim Olympiastadion Berlin im Jahr 1998 war der Auftakt im Bereich Sportstättenbau für gmp Architekten. Die historische Arena war eine von dreien (neben der Commerzbank-Arena in Frankfurt am Main und dem RheinEnergieStadion in Köln), die  gmp für die FIFA Weltmeisterschaften 2006 plante. Seitdem haben die Architekten mit zahlreichen weiteren Stadionbauten wie z.B. für die FIFA Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika und 2014 in Brasilien und die UEFA Europameisterschaft 2012 (in Polen und in der Ukraine) ihre Kompetenz bei dieser Bauaufgabe bewiesen. In China wurden unter anderem das Shanghai Oriental Sports Center und das Universiade Sports Center realisiert, in Suzhou wurde gerade mit dem Bau des SIP Sports Centers begonnen.

Fotografen
Marcus Bredt
www.marcusbredt.de

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