18/05/2016: Auszeichnung für gmp-Bau in Shanghai

Hochhaus-Ensemble „Bund Soho” ist “China Best Tall Building Overall” 2016

Entwurf Meinhard von Gerkan und Stephan Schütz mit Stephan Rewolle
Projektleitung Wettbewerb Su Jun
Mitarbeiter Wettbewerb Gao Bo, Zhang Jing
Projektleitung Ausführung Matthias Wiegelmann, Bao Wei
Mitarbeiter Ausführung Anne Bulanda-Jansen, Dong Shuying, Andreas Goetze, Guo Fu Hui, Peter Jänichen, Li Ling, Sebastian Linack, Mulyanto Mulyanto, Su Jun, Tian Xueli, Wang Mi, Xiao Wenda, Xie Fang, Xu Dong, Zhou Bin, Catharina Cragg, Kerstin Baur, Dai Tian Xing, Shi Xiayao, Wang Yu, Zhang Jing, Zheng Xinghui, Zhou Xuefeng
Partnerbüro ECADI
Bauherr SOHO China
BGF 189.500m²

Der renommierte Preis des “China International Exchange Comittee For Tall Buildings” und des “Council on Tall Buildings and Urban Habitat” wurde am 13. Mai in Shanghai verliehen. Für den nach Entwurf von Meinhard von Gerkan und Stephan Schütz mit Stephan Rewolle im vergangenen Jahr fertiggestellten Bau nahm vor Ort Stephan Rewolle, assoziierter Partner im Büro gmp, den “CITAB-CTBUH China Tall Building Award” entgegen.

Die Wahl der prominent besetzten Jury fiel einstimmig. In der Begründung wurde insbesondere die behutsame Kontextualität des Entwurfs an seiner städtebaulich exponierten Lage im Zentrum Shanghais hervorgehoben sowie die sorgfältige und stimmige Detailausbildung.

„Bund Soho“ knüpft in Materialität und Baugliederung an Shanghais charakteristische Silhouette der Bankund Handelsgebäude aus kolonialer Zeit an, die das Gesicht der Stadt am Bund prägen, Shanghais berühmter Uferpromenade am Huangpu Fluss. Nach den ungeschriebenen Regeln des Ortes erzählt der Entwurf gewissermaßen die Geschichte des Vorgefundenen ohne Nostalgie weiter und setzt an der Nahtstelle von kolonialer Stadt und historischer Altstadt, markiert durch die Grünräume von Gucheng Park und Yu Garden, einen baulich definierten Endpunkt.

Das Ensemble setzt sich aus sechs Bauten zusammen, die als eine skulpturale, in drei Dimensionen mit Vorund Rücksprüngen gestaffelte Komposition von Scheiben ausgebildet sind. Diese Wirkung wird durch ein abgestuftes System von spitz zulaufenden Lisenen erreicht, die in die geschlossenen Wandfelder der Staffelgeschosse übergehen und sich so in der Fernwirkung zu Scheiben vervollständigen – ein gerichtetes System mit Fassaden unterschiedlichen Charakters, das die verschiedenen Maßstäbe der Umgebung vereint.

Vier Bürohochhäuser mit Höhen zwischen 60 und 135 Metern bilden so einerseits nach Süden eine klare Raumkante und nehmen andererseits zum Bund die Giebelfolge der historischen Promenade auf. Zwei niedrigere Baukörper im Westen und Norden, die ebenso wie die unteren Geschosse der Bürobauten durch hochwertige internationale Gastronomie und Geschäfte genutzt werden, vermitteln zum Maßstab der Nachbarbebauung. Zwischen ihnen öffnet sich eine Folge von kleinen Gassen und Plätzen, ein mit der Umgebung vielfach vernetzter Stadtraum, der die Struktur des traditionell zum Fluss ausgerichteten Wegesystems fortschreibt. Das konzeptionelle Thema der Scheiben wird hier in einer Bandstruktur aufgenommen und findet sich auch in der Detailausbildung der Foyers wieder.

Bund Soho erscheint als ein ganzheitlich gestaltetes lebendiges Ensemble, dessen Erscheinungsbild sich mit der Bewegung des Betrachters dynamisch verändert. Bei der Annäherung entlang der Promenade oder auf dem Huangpu Fluss verdichtet sich die Bauskulptur zunächst zu einer scheinbar geschlossenen Kubatur, bevor sich in der Frontalansicht eine verblüffende, fast immaterielle gläserne Erscheinung eröffnet. Unter den zahllosen solitären Neubauten der jüngeren Zeit bildet Bund Soho damit einen kontextuellen Beitrag zum Stadtbild Shanghais.

Fotografen
Christian Gahl
www.christiangahl.com

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