04/07/2016: Auszeichnung

Klassik-Nike geht an den Flughafen Berlin-Tegel!

Wettbewerb 1965 – 1. Preis
Entwurf Meinhard von Gerkan, Volkwin Marg, Klaus Nickels
Partner Rolf Niedballa, Klaus Staratzke,
Karsten Brauer
Mitarbeiter Marina Auder, Ursula August, Gerd Bickenbach, Carsten Brockstedt, Hans Buchka, Hans Dieke, Bernd Eickemeyer, Uwe Ferdinand, Gudrun Fleher, Andreas Franz, Lothar Gerhardt, Maren Gräbner, Rudolf Henning, Wolfgang Hertel, Hans Herzlieb, Wulf Hönnicke, Christian von Hopf-garten, Manfred Illig, Barbara Nehmeyer, Damir Perisic, Peter Römer, Gottfried Seule, Helge Pitz, Christel Schmitt, Manfred Wetter, Gretchen Ziese, Werner Zimmer
Auftraggeber Senat von Berlin
Bauherr Berliner Flughafen-Gesellschaft mbH
Bauzeit 1970–1975
Überbaute Fläche 28.000 m²

Kurz vor dem Ruhestand – aber immer noch eine Referenz. Anfang Juli wurde dem ersten Projekt im gmp-Portfolio eine ganz besondere Ehre zuteil: Es wurde mit der Klassik-Nike von dem Bundesverband Deutscher Architekten ausgezeichnet. Die Jury begründete dabei ihre Wahl wie folgt:

„Der Flughafen Berlin-Tegel, ab 1965 geplant und 1974 eingeweiht, dient seit Jahrzehnten als Musterbeispiel für den Start einer nahezu einzigartigen Architektenkarriere. Tegel hat das kollektive Narrativ der Architektenschaft um die unsterbliche Anekdote bereichert, wie seine jungen, frisch diplomierten Architekten einer Besucherdelegation, die sie irrtümlich für Vertreter des Bauherrn hielten, ein potemkinsches Büro vorgegaukelt haben.

In einem Zusammentreffen glücklicher Umstände stellt sich der Flughafen in mehrfacher Hinsicht als einzigartig dar: Einem bislang unbekannten Büro ist es damals gelungen, einen Wettbewerbsgewinn auch tatsächlich ohne Abstriche des ursprünglichen Konzepts zu bauen. Dies wäre heute undenkbar. Neben Schneider-Eslebens nahezu zeitgleichem Flughafen Köln/Bonn war Tegel beispielgebend für eine ganze Generation von Flughäfen weltweit. Beim „Flughafen der kurzen Wege“ steht der Fluggast im Mittelpunkt. Auch dies wäre heute wegen der veränderten Sicherheitsanforderungen, vor allem aber wegen der „Vermallung“ des Flughafenwesens nicht mehr baubar.

Obschon formal als Kind seiner Zeit erkennbar, steht Tegel für Zurückhaltung der Gestaltung und Zweckdienlichkeit, ja Genialität seiner Konzeption. Das formale Motiv des Sechsecks zog sich ursprünglich von der Bodenfliese bis zur städtebaulichen Großform des Terminalgebäudes. Zum großen Leidwesen der Architekten wurde das in der Konzeption angelegte zweite Sechseck niemals gebaut, stattdessen wurden banale Provisorien angelagert, welche die Dominanz und Markanz des Hauptterminals jedoch nicht gefährden können.

Tegel hat sich trotz drastisch gestiegener Fluggastzahlen seit über vierzig Jahren hervorragend bewährt. Damit erfüllt der Flughafen Berlin-Tegel den zentralen Gedanken der „Klassik-Nike“ in kongenialer Weise.“

Fotografen
Landesbildstelle Berlin
www.landesarchiv-berlin.de
Marcus Bredt
www.marcusbredt.de

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