20/12/2016: Fertigstellung Staatliche Feuerwehrschule Würzburg

Vielfältige Übungsflächen für realitätsgetreue Ausbildungseinsätze

Entwurf Volkwin Marg und Jürgen Hillmer
Projektleitung Kai Ritzke
Planung und Ausführung Radmila Blagovcanin, Gabi Kottsieper, Katja Mezger, Hendrik Winter, Kenneth Wong, Volker Bastian, Sebastian Baumeister, Torsten Hinz, Raimund Kinski, Christian Kleiner, André Wegmann, Roger van Well
Bauherr Staatliches Bauamt Würzburg
BGF 7.700 m²

Der Neubau der Staatlichen Feuerwehrschule in Würzburg ist nach dem Entwurf des Architekturbüros von Gerkan, Marg und Partner (gmp) fertiggestellt worden. 2012 war gmp nach einem Verhandlungsverfahren mit dem Bau beauftragt worden. Bei der offiziellen Einweihungsfeier wurde das Bauwerk nun seinem Nutzer, der Staatlichen Feuerwehrschule, übergeben. In seiner Festrede lobte Bayerns Innen- und Baustaatssekretär Gerhard Ecke die anspruchsvolle und hochmoderne technische Ausstattung der Übungshalle, die den hohen Anforderungen des Ausbildungsbetriebes gerecht wird.

Die neue Übungshalle der Staatlichen Feuerwehrschule im Würzburger Ortsteil Zellerau folgt einer Konzeption, die sich trotz ihrer Größe in das umgebende, heterogene Mischgebiet integriert. Von dem Baudenkmal der Marienburg aus bildet der Komplex einen wahrnehmbaren Hochpunkt im urbanen Gefüge. Durch die Anordnung zweier Grundkörper entsteht eine komplexe Gesamterscheinung: Ein Hochhaus durchdringt die großzügigen Glasfassaden eine liegenden und mit Abmessungen von 77 x 40 x 21 Metern größeren Hallentrakts. Die einheitlich weiß geputzten seitlichen Bauteile der Halle und das Dach legen jeweils eine überdimensionale Klammer um die Volumina von Hochhaus und Halle. Die Glasfassaden der Übungshalle ermöglichen eine großzügige Tagesbelichtung und eine Zugänglichkeit über integrierte Hubtore. Tagsüber reflektiert der Neubau seine Umgebung, während er bei Dunkelheit aus sich heraus leuchtet und den Blick auf sein filigranes Tragwerk freigibt, welches auch zu Übungszwecken genutzt wird.

Auf 5.500 Quadratmetern befinden sich auf zehn Ebenen Installationen für realitätsgetreue Simulationen von Lösch- und Rettungseinsätzen, technischen Hilfeleistungen und ABC-Einsätzen. An dem in den Innenraum gestellten, massiven Übungskörper aus Sichtbeton lassen sich an Fenstern und in den Räumen dahinter Szenarien für den Ernstfall in Hochhäusern, Gastronomie-, Hotel- und Büroräumen, auf Ladenflächen, in einem Krankenhaus oder einer Arztpraxis durchspielen – Situationen unterschiedlichen Schwierigkeitsgrades, mit denen die Feuerwehr täglich konfrontiert ist. Im nördlichen Bereich der Halle bietet ein Einfamilienhaus mit pfannengedecktem Satteldach und Gauben Möglichkeiten für Anleiterübungen, während hallenaußenseitig Auszubildende auf die Herausforderungen eines mehrgeschossigen Fassadenbrands vorbereitet werden. Auch der eigentliche Übungskörper tritt auf dieser Seite der Halle markant aus der gläsernen Fassade hervor. Im Gegensatz zur streng gegliederten inneren artikuliert sich diese äußere Übungsfassade durch eine vielfältige Gestaltung: Fensteröffnungen mit unterschiedlichen Füllungen verspringen scheinbar zufällig und bilden weitere Einsatzsituationen ab. Geneigte Sichtbetonfertigteile bilden ein gefordertes Mansarddach ab, ohne jedoch die abstrakte Gestaltung der ansonsten strengen Fassade zu trivialisieren.

Auf der Hallenwestseite befinden sich eine Spedition mit Gleisanschluss, eine LKW-Garage mit Anlieferrampe und Hochregallager. Eine abdeckbare Baugrube und Flächen für die Übungsbereiche „Technische Hilfe“ und „Gefahrstoffe“ komplettieren den Raum. Im Untergeschoss befinden sich zu Trainingszwecken eine Tiefgarage, ein Flutkeller, eine begehbare Kanalisation sowie Kellerräume. Auf dem Hallendach sind mobile Plattformen für Anleiterübungen implementiert. Für einen ressourcenschonenden Umgang sorgen photovoltaische Elemente auf dem Hauptdach und die 200 Kubikmeter große Zisterne zur Regenwassersammlung für Löschübungen.

Fotografen
gmp Architekten
www.gmp-architekten.de
Marcus Bredt
www.marcusbredt.de

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