06/02/2017: Ein neues Dach für die historische Arena in Verona

gmp und sbp gewinnen internationalen Ideenwettbewerb

Entwurf Architekten von Gerkan, Marg und Partner und schlaich bergermann partner
gmp
Prof. Volkwin Marg und Hubert Nienhoff mit Martin Glass und Nikolai Reich
sbp
Knut Stockhusen und Knut Göppert mit Daniel Gebreiter und Chih-Bin Tseng
Auslober
Municipality of Verona Piazza Bra’ 1

Aus einem internationalen Ideenwettbewerb für die Überdachung der historischen Arena in Verona sind die Architekten von Gerkan, Marg und Partner (gmp) und Ingenieure von schlaich bergermann partner (sbp) als Sieger hervorgegangen. Der gemeinsam entwickelte Entwurf der beiden Büros konnte sich gegenüber 80 Konkurrenten durchsetzen und setzt ihre langjährige erfolgreiche Zusammenarbeit weiter fort. Nach dem Krankenhaus Borgo Trento und den neuen Messehallen könnte es das dritte Projekt der Architekten von gmp in Verona werden.

Die Arena von Verona gehört zu den größten und besterhaltenen Amphitheatern aus der römischen Zeit. Das knapp 2.000 Jahre alte Bauwerk ist Wahrzeichen, Tourismus-Magnet der Stadt und UNSECO Weltkulturerbe. Die 30 n. Chr. unter Kaiser Tiberius erbaute Arena wird heute für Opernaufführungen und Konzerte genutzt. Aufgabe des Wettbewerbs war es, eine wandelbare und rückbaubare Überdachung zu entwerfen, die einerseits die Nutzung bei schlechtem Wetter ermöglicht und so vor schädlichen Umwelteinflüssen schützt, andererseits das historische Monument maximal respektiert und einen geringstmöglichen Eingriff in Substanz und Erscheinung des Amphitheaters darstellt. In dem weltweit offenen Ideenwettbewerb konnte das Konzept von gmp und schlaich bergermann partner überzeugen und wurde mit dem ersten Platz ausgezeichnet.

Eine 20-jährige Erfolgsgeschichte der Architekten von Gerkan, Marg und Partner in Italien kann nun weitererzählt werden: angefangen mit der Messe und den neuen Kongresszentren in Rimini, Arezzo sowie Verona, über den Flughafen in Ancona, den Wissenschaftspark Tecnopolo in Bologna bis hin zum Krankenhaus Borgo Trento in Verona.

Der Gewinnerentwurf sieht einen deutlich abgesetzten Druckring über der Arena vor, der eine wandelbare Membran-Konstruktion hält. Ellipsenförmig die gesamte Fläche des Amphitheaters überdeckend, schafft das Tragwerk Raum, der für zusätzliche Beleuchtung und zeitgemäße Bühnentechnik genutzt werden kann. Ein intelligentes Zusammenspiel aus einem fächerförmig angeordneten, verfahrbaren Seilnetz und der Membraneindeckung schützt die gesamte Arena bei Bedarf vor Unwetter, kann aber auch bei strahlendem Wetter spurlos im Trägerring verborgen werden. Dabei verfahren zuerst die Seile aus ihrer Parkposition im Druckring, während im zweiten Schritt die Membran dann entlang dieser Seile ausgefahren wird. Die Entwurfsverfasser erklären das mobile Faszinosum wie folgt: Der Fahrvorgang in dieser Konfiguration ist tatsächlich noch nie dagewesen und einmalig. Dennoch kann der Großteil der bewährten Fahrtechnologien realisierter Projekte wie beim Stadion Frankfurt und den Nationalstadien in Warschau und Bukarest weiterentwickelt und für Verona neu komponiert werden. Die Seile werden mittels Winden aus der Parkposition in ihre endgültige Position entlang des ovalen Druckrings verfahren. Festgesetzt an der finalen Position werden die Seile anschließend im Technikbereich der Garage hydraulisch vorgespannt. Die dort geparkte Membran entfaltet sich nun, gezogen durch radial umlaufende Windenseile, sternförmig nach außen. Auf den letzten Zentimetern greifen hydraulische Spannmechanismen die vordersten Spannwagen und leiten die erforderliche Vorspannung in die Membrane ein.

Auf diese Weise bleibt bei geöffnetem Dach der unverstellte freie Blick in den Himmel gewahrt und die Open-Air-Atmosphäre erhalten. Von außen ist die Konstruktion kaum wahrnehmbar, dadurch bleibt der historische Charakter der römischen Arena erhalten. Aus der Vogelperspektive wirkt das geschlossene Dach wie eine schützende Muschel, die sich sanft über den historischen Bau legt.

gmp und sbp – eine Erfolgsgeschichte
Erfahrungen mit wandelbaren Großstrukturen und dem sensiblen Umgang mit historischen Kontexten haben gmp und sbp in einer Vielzahl gemeinsamen Projekten erarbeitet. Unter den zahlreichen Stadien für UEFA-und FIFA-Fußballmeisterschaften entstand die neue Überdachung für das Olympiastadion in Berlin ebenfalls in erfolgreicher Zusammenarbeit. Auch hier gelang die Symbiose aus alten Fundamenten und einer innovativen Neugestaltung – mit großer Ruüksicht auf den Ursprungsbau. Die Kompetenz bei der komplexen Konstruktion und Implementierung von verfahrbaren Dächern in der Zusammenarbeit zwischen gmp und sbp wurde bei den Stadien in Warschau, Bukarest oder Frankfurt unter Beweis gestellt. Im Dialog entstehen so leichte Tragwerke für weitgespannte Dachkonstruktionen, die für Arenen und Stadien völlig neue Raumerfahrungen und Nutzungs-Szenarien ermöglichen.

Fotografen
gmp/sbp/a-promise

Google Earth/gmp

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