22/02/2017: gmp gewinnt Wettbewerb zum Kardinal-Döpfner-Haus in Freising

Neues Bildungszentrum im Kontext des historischen Dombergs

Entwurf Meinhard von Gerkan und Stephan Schütz mit Nicolas Pomränke
Projektleitung Tobias Keyl
Mitarbeiter Konstantin Greune, Rosaria de Canditiis, Dimitri Philippe, Jan Peter Deml, Thilo Zehme, Thomas Muncke, Giuseppe Malfona, Aleksandra Kuzminska
Bauherr Erzdiözese München und Freising/Erzbischöfliches Ordinariat München
BGF 15.337 m²

Die Architekten von Gerkan, Marg und Partner (gmp) haben den Wettbewerb zur Weiterentwicklung des Kardinal-Döpfner-Hauses in Freising gewonnen. Der erstplatzierte Entwurf zum Neu- und Umbau des Bildungszentrums fügt sich in exponierter Lage in das traditionsreiche Ensemble ein. Dabei setzt die Architektur gleichzeitig ein selbstbewusstes Zeichen der Gegenwart und schafft neue Raumqualitäten im Inneren sowie zur Umgebung.

Der Domberg zu Freising ist das weithin sichtbare Wahrzeichen der Stadt, ein über Jahrhunderte gewachsenes architektonisches Ensemble. An seinem höchsten Punkt liegt neben dem Mariendom das Bildungszentrum des Erzbistums München und Freising, das Kardinal-Döpfner-Haus – ein Ort für Tagungen, Seminare sowie Konzert- und Theaterveranstaltungen. Derzeit nutzt das Haus zwei Gebäudeteile: die Vierflügelanlage der ehemaligen Fürstbischöflichen Residenz und einen westlich anschließenden Anbau von 1960, den es im Zuge des Wettbewerbs durch einen Neubau zu ersetzen galt.

Der Entwurf antwortet auf vielfältige Anforderungen mit einer einfachen Grunddisposition: Zwei Ost-Westorientierte Gebäudeflügel, welche die Gästezimmer beherbergen, schließen an den Bestandsbau an und spannen in ihrer Mitte eine große Treppenhalle auf. Der nördliche, L-förmig verspringende Trakt verbessert die räumliche Wirkung und Sichtbarkeit des Diözesanmuseums, indem er im Außenraum einen terrassierten Freibereich ermöglicht. So werden die Besucher auf den neuen Vorplatz geleitet, der im Südwesten durch eines der ältesten Gebäude auf dem Domberg, den ehemaligen Archivbau von St. Andreas, abgeschlossen wird. Wird der Neubau durch die gebäudehohe Glasfassade betreten, so erschließt sich die Struktur des Hauses auf den ersten Blick. Die Glashalle mit hölzernen Wandflächen erzeugt eine intime, behagliche Atmosphäre und bietet einen spektakulären Ausblick. Die Treppe ist als flexibel nutzbare Tribüne mit Sitzstufen konzipiert. Sie zeichnet die natürliche Topographie des Dombergs im Inneren nach und führt direkt in den Hof des Altbaus als Auftakt einer weiteren Raumsequenz bis hin zum Domplatz. Der Altbau wird behutsam verändert und kann mit minimalen funktionalen Anpassungen barrierefrei erschlossen werden.

Die Schauseite des Neubaus nach Westen wird durch die hohen Giebelwände der beiden Baukörper bestimmt. Zusammen mit dem ehemaligen Archivgebäude, an dem sich Dachneigung und Proportion orientieren, entsteht ein archetypischer Dreiklang. Dieses identitätsstiftende Motiv wird in den Fassaden wieder aufgegriffen, die sich in Material, Farbe und Gliederung in das Gesamtensemble einordnen.

Durch die Neugestaltung des Kardinal-Döpfner-Hauses in dessen sensiblen Umfeld gelingt es, die Geschichte des Ortes architektonisch weiterzuerzählen und eine Architektur der Gegenwart hinzuzufügen, die weder nostalgisch noch kontrastierend auftritt, sondern in den Dialog mit der Umgebung des Dombergs und der Stadt Freising tritt.

Fotografen
gmp Architekten
www.gmp-architekten.de
Tilman Burgert – MMB
www.modellbau-milde.de

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