24/04/2017: Wiedereröffnung Kulturpalast Dresden

Neues Miteinander von Kultur, Bildung und Unterhaltung

Internationaler Wettbewerb 2009 – 1. Preis
Entwurf Meinhard von Gerkan und Stephan Schütz mit Nicolas Pomränke
Projektleitung Wettbewerb Clemens Kampermann
Mitarbeit Wettbewerb Verena Coburger
Projektleitung Christian Hellmund
Mitarbeiter Clemens Ahlgrimm, Roman Bender, Stephanie Brendel, Verena Coburger, Christian Dorndorf, Ivanka Perkovic, Annette Löber, Anna Liesicke, Ursula Köper, Tiago Henriques, Laia Caparo, Julius Hüpeden, Patrick Machnacki, Giuseppina Orto, Michael Scholz, René Wiegand, Dörte Groß, Florian Illenberger, Laura Warskulat (Studentin), Ralitsa Bikova (Studentin), Robin Lauritzen (Student), Jessika Krebs (Studentin)
Bauleitung gmp Bernd Adolf, in Zusammenarbeit mit phase 8
Tragwerk ProfessorPfeiferundPartner PartGmbB, Ingenieurbüro für Tragwerksplanung, Cottbus
Bauphysik Bau- und Raumakustik Peutz bv, Mook, Niederlande; ADA Acoustic Design Ahnert, Prof. Dr.-Ing. habil. W. Ahnert, Berlin
Brandschutz hhpberlin Ingenieure für Brandschutz GmbH, Berlin
Bühnentechnik theapro, theater projekte daberto + kollegen planungsgesellschaft mbh, München
TGA Planungsgruppe M+M AG, Dresden (bis LPH 3) ARGE IB Rathenow BPS und Solares Bauen GmbH (ab LPH 5)
Lichtplanung Conceptlicht GmbH, Traunreut
Bauherr KID Kommunales Immobilienmanagement
Dresden GmbH & Co KG
Bauzeit 2013–2017
BGF 37.062 m²
Konzertsaal Dresdner Philharmonie 1.750 Sitzplätze, inkl. 18 Rollstuhlplätze
Kabarettsaal »Die Herkuleskeule« 240 Sitzplätze, inkl. 2 Rollstuhlplätze
Zentralbibliothek 5.463 m²

Am 28. April ist es soweit: Der neue Konzertsaal im Kulturpalast Dresden wird mit einem Festakt feierlich eröffnet. Am Tag danach werden mit der neuen Zentralbibliothek sowie dem Saal für das Kabarett „Herkuleskeule“ die Räume der weiteren zukünftigen Hauptnutzer des Kulturpalastes eingeweiht. Sowohl die Sanierung des denkmalgeschützten Gebäudebestandes als auch der Neubau des Konzertsaales mit rund 1.800 Plätzen, der u.a. als Spielstätte der Dresdner Philharmonie dienen wird, wurde nach Entwurf der Architekten von Gerkan, Marg und Partner (gmp) realisiert, die 2009 den Wettbewerb für das Projekt gewinnen konnten.

Umbau und Sanierung des Kulturpalastes Dresden – hinter dieser Aufgabe verbarg sich nicht weniger, als das Konzept „Kulturpalast“ architektonisch neu zu denken, mit einem veränderten Nutzungsprogramm auf Grundlage der gewachsenen Identität des Hauses. Während der Bau als herausragendes Beispiel der DDRModerne äußerlich weitgehend entsprechend dem Ursprungszustand von 1969 wiederhergestellt ist, sind im Inneren in der räumlichen Organisation und der Erschließung neue Akzente gesetzt worden. Auf die einzigartig zentrale Lage zwischen Altmarkt, Schlossareal und Neumarkt antwortet der realisierte Entwurf mit einem allseitig orientierten Haus, das von allen drei Hauptfassaden direkt zugänglich ist. Das Miteinander von Kultur, Bildung und Unterhaltung, das für eine durchgehende Belebung des Hauses durch ganz unterschiedliche Nutzergruppen sorgt, verdichtet sich räumlich in dem großen zum Altmarkt orientierten Südfoyer, das nun als Erschließung aller drei Hauptnutzungen dient und so zu einem hoch frequentierten und belebten Ort wird. Der Kabarettsaal „Herkuleskeule“ befindet sich unterhalb des Konzertsaales, der in den beiden Obergeschossen passgenau wie ein Futteral von den Räumen der Bibliothek umschlossen wird. Diese erhalten in ihrer materiellen Erscheinung eine einfache, reduzierte Gestaltung mit einer von gmp eigens konzipierten Möblierung. Einen farblichen Akzent setzt hier der aus dem Ursprungsbestand übernommene Rot-Ton der textilen Oberflächen, der sich als Leitmotiv in allen Hauptnutzungsbereichen wiederfindet.

Im Kern des Gebäudes ist der Konzertsaal, der auch für andere Nutzungen konzipiert wurde, in einer Weise neu entwickelt, die weder auf gestalterische Unterordnung noch auf gewollten Kontrast, sondern vielmehr auf den respektvollen und spannungsreichen Dialog mit dem Bestand setzt. Seine Architektur folgt dem Typus des „Weinbergs“ mit einer in die Geometrie des hexagonalen Baufensters eingepassten terrassenartigen Anordnung der Sitzplätze. Im Kontrast zum warmen Ton der hölzernen Terrassen schieben sich die weißen Wellen der Wände langsam aus der regelmäßigen Geometrie des Grundrisses heraus, bis sie sich in der Saaldecke verbinden. Die Konzertorgel ist mit ihren 55 Registern einmalig in der Dresdner Orgellandschaft und besonders für das sinfonische Repertoire des 19. und 20. Jahrhunderts geeignet. Um die gewünschte Kombination aus Transparenz und Klangwärme zu erzeugen, die den traditionell etwas dunkleren Klang der Dresdner Philharmonie unterstützt, gab es eine intensive Zusammenarbeit von Architekten und Akustikern mit dem Orchester. Am Ende dieses Prozesses steht ein Konzertsaal, der alle Anforderungen an konzertante Nutzungen erfüllt, von der Nachhallzeit über den akustischen Raumeindruck bis hin zur guten Verständlichkeit der Musiker untereinander, auf die besonders großer Wert gelegt wurde.

Mit der Neukonzeption des Kulturpalastes erhält Dresden nun nicht nur erstmals einen Konzertsaal von internationalem Rang, sondern auch ein konzeptionell offenes Haus der Kultur und des Wissens sowie einen Ort der zwanglosen bürgerschaftlichen Begegnung und Kommunikation, der an die gelebte Tradition des Gebäudes anknüpft.

Fotografen
Christian Gahl / gmp Architekten
www.christiangahl.com

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