07/06/2017: „blu“ am Brauhausberg

Neues Sport- und Freizeitbad in Potsdam eröffnet

Wettbewerb 2013 – 1. Preis
Entwurf Volkwin Marg und Hubert Nienhoff mit Kristian Spencker
Projektleitung Kristian Spencker, Michael Scholz
Mitarbeiter Wettbewerb Silvia Schneider, Katja Godejohann, Veit Lieneweg, Daniel Tomé
Mitarbeiter Ausführung Silvia Schneider, Katja Godejohann, Kerstin Fuchs, Claudia Chiappini, Chris Hättasch, Christiane Putschke-Tomm, Julia Hilgenberg, Katerine Witte, Elke Glass
In Arbeitsgemeinschaft mit emproc, BPM (Bau- und Kostenmanagement), big Bechtold Ingenieurgesellschaft mbH (Technische Gebäudeausstattung), HMI Hartwich/Mertens/Ingenieure Planungsgesellschaft für Bauwesen mbH (Tragwerk), Capatti Staubach – urbane Landschaften (Außenanlagen), Müller BBM GmbH (Bauphysik und Brandschutz)
Bau- und Raumakustik Ingenieurbüro von Rekowski und Partner
Sicherheits- und Gesundheitskoordinator Genthe Bauingenieure GmbH
Bauherr Stadtwerke Potsdam GmbH
Bauzeit 2014-2017
BGF 19.300 m²
Zertifizierung für Wasserball
und Schwimmsport
FINA C

Nach einem Entwurf der Architekten von Gerkan, Marg und Partner (gmp) ist in Potsdam das neue städtische Sport- und Freizeitbad „blu“ fertiggestellt worden. Am 6. Juni fand die Eröffnungsfeier statt, heute beginnt der reguläre Badebetrieb. Direkt gegenüber dem Hauptbahnhof gelegen, bildet der Neubau den ersten Baustein der neuen Stadttopographie um den Brauhausberg, für dessen bisher offene Flächen eine dichte Wohnbebauung projektiert ist. In diesem Zusammenhang entwickelt der Entwurf eine explizit urbane neue Typologie eines Schwimmbades, durch deren kompakte Bauform es gelingt, einen Teil des Areals in der Tradition des Ortes als öffentlichen Freiraum zu erhalten.

Landschaft oder Stadt? Gleich mehrfach stellte sich diese Frage während der langen und wechselhaften Planungsgeschichte des neuen Sport- und Freizeitbades in Potsdam. Und auch als eine Bürgerbefragung 2012 schließlich den Ausschlag für den zentral gelegenen Standort am Fuß des Brauhausberges gab, nachdem zuvor ein Standort auf der „grünen Wiese“ bevorzugt worden war, blieb das räumliche Leitbild für das Planungsgebiet ambivalent.

Die Entscheidung für eine dezidiert urbane Konzeption wurde schließlich 2013 im Architekturwettbewerb getroffen. Diesen konnte gmp mit einem Entwurf gewinnen, der sich durch klare Raumkanten, sinnfällige Orientierungen der Innen- und Außenräume sowie gezielte visuelle Bezüge zur näheren und weiteren Umgebung auszeichnet. Die umliegenden Stadträume, auf die sich die Architektur des Bades bezieht, sind bei dessen Eröffnung erst im Entstehen begriffen, wie die zum Projekt gehörende Freiraumachse mit Vorplatz im Osten und die rückwärtig gelegene Liegewiese des Bades. Gleiches gilt für die Bebauung des Quartiers der Speicherstadt, welche im Norden an die geschwungene Bauflucht der Eingangsfassade anschließen wird, sowie den projektierten weiteren Bauabschnitt im Süden.

Sportbad, Freizeitbad und Wellnessbereich sind in einem kompakten, im Grundriss nahezu quadratischen Bauvolumen mit fast 8.000 qm Nutzfläche zusammengefasst. Zwei in die Gesamtkubatur eingestellte geschlossene Volumen für die Service- und Umkleidebereiche, zwischen denen die zentrale Ost-West-ausgerichtete „Magistrale“ verläuft, zonieren die beiden großen Räume des Sportbades und des Freizeitbereiches. Mit dieser Disposition ist an jedem Punkt innerhalb des Bades eine eindeutige Orientierung gegeben, alle Nutzungen sind über kurze Wege erschlossen und lassen sich unabhängig voneinander betreiben.

Die weiträumige Badelandschaft des Freizeitbades ist nach Westen, das Sportbad mit 50-Meter-Becken für Wasserball und Schwimmsport nach Osten orientiert. Vor Einblicken geschützt, mit wenigen gezielten Ausblicken, ist der Wellnessbereich im obersten Geschoss entwickelt. Die geschlossenen Fassadenbereiche, die wie ein mäandrierendes Band den Bau umschließen, sind einheitlich mit einem robusten mineralischen Naturputz versehen. Auch die Haustechnik ist in das Volumen des Baukörpers integriert, sodass keine Aufbauten die vom Brauhausberg sichtbare fünfte Fassade beeinträchtigen.

Fotos Marcus Bredt
www.marcusbredt.de

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