29/08/2017: Neue „Hafenlandschaft“ auf Sylt

Der Hafen Hörnum wird neu gestaltet

Privates Gutachterverfahren 2017, 1. Platz
Entwurf gmp · Architekten von Gerkan, Marg und Partner mit Patrik Dierks Architekten
gmp Prof. Volkwin Marg und Hubert Nienhoff mit Hans-Joachim Paap
Patrik Dierks Architekten Patrik Dierks
Mitarbeiter Kristian Spencker, Davide Rosa, Jana Bohsem, Katja Godejohann, Mari Paz Agúndez, Thiele Nickau, Henning Wiethaus, Stefan Dilova
Beratung Inros Lackner SE, Ingenieure für Wasserbau und Hafenlogistik
Auslober Claudia Ebert (Budersand Hotel), Sven Paulsen (Adler Schiffe), Arne Weber (HC Hagemann) und Peter Ewaldsen (Sprecher Muschelfischer) in Zusammenarbeit mit der Gemeinde Hörnum
BGF 11.500 m²

Der Entwurf von gmp Architekten von Gerkan, Marg und Partner mit Patrik Dierks Architekten ist als Sieger aus dem privaten Gutachterverfahren zur Neugestaltung des Hafens Hörnum hervorgegangen. Die Kooperation der Architekten stützt sich auf eine langjährige freundschaftliche Verbindung und bündelt entwurfliche, fachliche und thematische Kompetenzen. Ihr Gewinnerbeitrag basiert auf der Erhaltung und Optimierung der vorhandenen gewerblichen Funktionen des Hafens an der Südspitze Sylts, erweitert diese um neue Bereiche für Tourismus, Einzelhandel und Gastronomie. Meer, Sand und Wind als prägende Naturelemente der Insel sowie der ortstypische Baustil der sogenannten Weißen Siedlungen der 1930er-Jahre bestimmen die Formen der neuen Architektur, werden jedoch dialogisch weiterentwickelt und schaffen somit eine neue unverwechselbare Ortsidentität.

Ausgelobt wurde das Projekt von Claudia Ebert (Budersand Hotel), Sven Paulsen (Adler Schiffe), Arne Weber (HC Hagemann) und Peter Ewaldsen (Sprecher Muschelfischer) in Zusammenarbeit mit der Gemeinde Hörnum. Der Hafen ist neben seiner zentralen wirtschaftlichen Bedeutung eine wichtige touristische Adresse der Gemeinde. Nord- und Südmole mussten wegen Einsturzgefahr im Jahr 2016 gesperrt werden – mit gravierenden Auswirkungen auf die wirtschaftliche Nutzung und den Tourismus.

Der Entwurf von gmp und Patrik Dierks Architekten sieht einzelne Bausteine vor, die sich zu einer komplexen neuen „Hafenlandschaft“ zusammensetzen. So kann die bauliche Entwicklung der Hafenanlage stufenweise erfolgen. Eine bauliche Neuordnung der Westkaje mit ihren gewerblichen Funktionen schafft Platz für den Fischereihafen und die dazugehörige Logistik, für Tourismus, Gastronomie und Einzelhandel am Hafen. Zudem wird unter den Gewerbebauten eine Tiefgarage vorgeschlagen, die den ruhenden Verkehr am Hafen und in den Wohngebieten entlasten soll. Dahingegen soll die Neuformung der Süd- und Nordkaje als kaskadenförmig ausgebildete „steinerne Strände“ am Hafenplatz und am Hotelvorplatz Raum für Freizeitaktivitäten bieten. Auch der an die Nordkaje anschließende Hotelvorplatz wird neu gestaltet, indem die PKW-Stellplätze an die Westseite unter ein offenes, begrüntes dünenähnliches Dach verlegt werden. Die Verkehrserschließung erfolgt über die Hafenstraße und wird im oberen Drittel Richtung Hafenbecken umgelenkt, was einen attraktiven Blick über die Marina ermöglicht.

Die vorgelagerten Schutz- sowie die Süd- und Nordmolen erfahren im Zuge der Neubebauung eine Aufwertung ihrer Funktionen als Schutzbauten. An der Spitze der Südmole bekommt die Hörnumer Schutzstation Wattenmeer mit Aussichtspunkt einen neuen markanten Standort für die aktive Naturschutzarbeit. Die neue Nordmole setzt hingegen stilvolle maritime Akzente mit der vergrößerten Marina sowie einem meerseitig vorgelagerten Gezeitenpool und ergänzt das Freizeit- und Sportangebot. Eine „maritime Promenade“ fasst alle Bereiche für Nutzer und Besucher erlebnisreich zusammen und kann an der Hafenmündung bei besonderen Anlässen durch eine schwimmende Insel temporär zum Rundweg geschlossen werden. Die multifunktionale Insel kann unter anderem als Schwimmponton an allen Hafenkanten anlegen und als Theaterbühne oder Open-Air-Kino genutzt werden.

Dank der Erweiterung des Hafenbeckens von 33.500 auf 47.900 Quadratmeter werden die Manövrierverhältnisse für die gewerbliche Schifffahrt deutlich verbessert. Der Hafen- und Wasserbau orientiert sich dabei an der Linienführung der bisherigen Molenbauwerke. Mit dem neuen Hafenkonzept gelingt es den Architekten, zwei unterschiedliche Atmosphären zu schaffen und miteinander zu verbinden: die gewerbliche Nutzung mit den Muschelfischern und der Adler-Reederei im südlichen sowie die Nutzung als Marina im nördlichen Hafenbereich.

Fotografen
Davide Abbonacci
www.abbonacci.com
gmp Architekten
www.gmp-architekten.de
Lukas Specks

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