16/10/2017: Ein neues Petritor für Rostock

gmp mit Neubau an geschichtsträchtigem Ort beauftragt

Entwurf Volkwin Marg und Hubert Nienhoff mit Kristian Spencker
Projektleitung Kristian Spencker
Mitarbeiter Katja Godejohann, Davide Rosa
Bauherr KOE Rostock — Kommunale Objektbewirtschaftung und -entwicklung der Hansestadt Rostock
BGF 1.706,00 m²

In Rostock wird der „Stadteingang Slüterstraße“ nach einem Entwurf der Architekten von Gerkan, Marg und Partner (gmp) neu entstehen. Nachdem im gleichnamigen, offenen internationalen Wettbewerb zunächst drei Beiträge ausgezeichnet und zur weiteren Bearbeitung empfohlen worden waren, wurde gmp jetzt offiziell beauftragt. Der Entwurf überzeugte mit einer ganzheitlich entwickelten Gesamtkubatur, die selbstverständlich an die Bestandsbebauung anschließt und sich in die Bauflucht der historischen Stadtmauer einfügt. Anerkennung fand darüber hinaus, neben der zeichenhaften Torarchitektur, insbesondere die sinnfällige funktionale Aufteilung der Wohn-, Büro- und Ausstellungsräume.

Die mittelalterliche Stadtbefestigung Rostocks ist bis heute ein elementarer Teil der Hansestadt und ihrer Identität. Nachdem viele der ehemals über zwanzig Stadttore im Zuge der Entfestung der Stadt abgetragen worden waren, setzte ein Umdenken ein, sodass die erhaltenen Anlagen im 20. Jahrhundert restauriert und zum Teil sogar rekonstruiert wurden. Dessen ungeachtet wurden 1960 mit der Ruine des kriegszerstörten Petritores die Relikte des ältesten Stadteingang der Rostocker Altstadt über Nacht gesprengt – ein Verlust, der bereits früh zu Diskussionen um einen Wiederaufbau führte. In dem 2016 ausgelobten Wettbewerb waren nun Anforderungen gestellt, die eine unkritische Rekonstruktion des alten Tores grundsätzlich ausschlossen. Jedoch galt es, sich an der Kubatur des Ursprungsbaus zu orientieren.

Der Entwurf für den Neubau greift den spezifischen Charakter der historischen Rostocker Stadttore als schlichte und weitgehend schmucklose Backsteinblöcke auf. Geplant ist, die gesamte Bebauung in rotem Backstein zu errichten. Wie beim alten Tor wird dabei die große Bandbreite der Gestaltungsmöglichkeiten des Materials bis ins Detail ausgeschöpft, indem sich der einheitliche Klinkerverband partiell öffnet. Gezielte Ein- und Ausblicke und eine detailreiche Nahansicht können so mit der beabsichtigten geschlossenen monolithischen Fernwirkung verbunden werden. Die Durchfahrt des Tores nimmt das geforderte Durchfahrtsprofil auf, Fußgänger werden beidseitig am Tor vorbeigeführt.

Als Nutzung sind Büro- sowie Ausstellungs- und Veranstaltungsräume im Torgebäude und dem anschließenden Bauteil vorgesehen. Im 2. Obergeschoss erlaubt eine offene Raumfolge mit integrierter Außenterrasse die flexible Nutzung für Ausstellungen oder Seminare und eröffnet den Blick auf das Stadtpanorama von der Unterwarnow über Holzhalbinsel, Brückeninsel und Petrischanze bis zur Turmspitze der Petrikirche. Ergänzt wird das Raumprogramm durch Wohnnutzung auf eigener Parzelle im Westen des Grundstücks.

Der Stadteingang Slüterstraße an der exponierten Nordostecke des historischen Stadtkerns stellt so ohne oberflächliche Nostalgie eine bewusst vielfältige und mehrdeutige Architektur dar, die an die Tradition des Ortes anknüpft und dessen wechselhafte Geschichte fortschreibt.

Fotografen
gmp Architekten
www.gmp-architekten.de

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