07/10/2010: Einweihung

Museum für Stadtgeschichte Hanoi eingeweiht

Im Rahmen der Tausendjahrfeier der vietnamesischen Hauptstadt Hanoi wurde gestern das Museum für Stadtgeschichte eingeweiht. Die Zeremonie fand in Anwesenheit nationaler und regionaler Regierungsvertreter statt. Eingeladen und vor Ort waren auch Meinhard von Gerkan und Nikolaus Goetze von gmp sowie Martin Göricke von der Inros Lackner AG. Die Architekten von Gerkan, Marg und Partner gewannen den internationalen Wettbewerb für das Museum für Stadtgeschichte im Jahr 2005, realisiert wurde es innerhalb von nur zwei Jahren. An diesem Freitag, dem 8. Oktober öffnet das Haus seine Pforten für die Öffentlichkeit.

In unmittelbarer Nachbarschaft befindet sich das 2006 zum APEC-Gipfel eingeweihte Nationale Kongresszentrum Vietnams (NCC), was – wie auch das vietnamesische Innenministerium und das Nationalparlament in Hanoi  – von gmp entworfen und in Kooperation mit der Inros Lackner AG geplant wurde.

Das 30.000 m² große Museum für Stadtgeschichte ist in einem speziell angelegten Park mit großzügigen Wasserflächen eingebettet, in dem die Besucher bereits beim Eintritt in die Museumslandschaft Exponate aus der Geschichte Hanois und nachgebildete traditionelle vietnamesische Dörfer besichtigen können.

Vom Park aus bietet das Museum Zugänge aus allen vier Himmelsrichtungen. Im Inneren des quadratischen Gebäudes verbindet ein kreisförmiger Luftraum im Foyer die Eingangsebene mit den drei oberen Ausstellungsebenen. Diese sind nach oben hin terrassenförmig auskragend, was eine auf den Kopf gestellte Pyramide beschreibt.

Die nach oben hin auskragenden Geschosse bewirken in den jeweils darunter liegenden Ebenen eine Verschattung, was Teil des Energieeffzienz-Konzepts ist. Indem die Innenräume vor direkter Sonneneinstrahlung geschützt werden, entsteht zudem ein konservatorischer Effekt für die Exponate. Für die Besucher hat die Anordnung der Geschosse zudem den Effekt, beim Blick hinaus scheinbar über der Landschaft zu schweben. In die oberen Ebenen gelangen die Museumsbesucher über eine spiralförmige Rampe. Die Rampe als prägendes Element ermöglicht Blickbezüge zum Foyer und zu den Ausstellungsflächen. Während die unteren  Obergeschosse ausschließlich als Ausstellungsflächen dienen, befinden sich im vierten Obergeschoss außerdem Konferenz-, Forschungs- und Büroräume und die Bibliothek. Dort bieten Lufträume Platz für besonders große Exponate, die wie auch in dem zentralen kreisförmigen Raum, dank des indirekten Lichteinfalls durch windmühlenflügelartig angeordnete Oberlichter, besonders in Szene gesetzt werden können.

Da das Gebäude einer auf den Kopf gestellten Pyramide ähnelt, hat das oberste Geschoss mit 92,4 m x 92,4 m die größten Abmessungen. Diese nehmen nach unten hin ab, im Erdgeschoss des quadratischen Grundrisses betragen die Abmessungen noch 42 m x 42 m. Gegen Wind- und Erdbebenlasten ausgesteift wurde das Gebäude durch vier symmetrisch angeordnete Kerne mit den Achsmaßen 8,4 m x 8,4 m. Die Kerne befinden sich in den Ecken des Erdgeschosses, hier sind für die vertikale Erschließung die Treppenhäuser und Aufzüge angeordnet.

Die Geschossdecken wurden über Zugstäbe im Gebäuderaster 8,4 m x 8,4 m an der Dachkonstruktion abgehängt, weshalb diese (109,2 m x 109,2 m groß und 5 m hoch) unmittelbar nach den Kernen hergestellt werden mussten. Die Dachkonstruktion wurde aus Wandscheiben aus Stahlbeton und Fachwerkträgern gefertigt. Die Wandscheiben verbinden die vier Kerne und erhöhen die Gesamtsteifigkeit des Gebäudes. Die Rand- und Innenbereiche der Dachkonstruktion wurden zur Reduzierung des Eigengewichts als Stahlfachwerk ausgeführt.

Internationaler Wettbewerb 2005 – 1. Preis
In Kooperation mit INROS LACKNER AG
Entwurf Meinhard von Gerkan und Nikolaus Goetze mit Klaus Lenz
Projektleitung Marcus Tanzen
Projektleitung Hanoi Tuyen Tran Viet
Mitarbeiter Nicole Flores, Martin Friedrich, Jessica Last, Udo Meyer, Duc Tran Cong
Lokales Partnerbüro Vietnam National Construction Consultants Corporation
Bauherr Hanoi Culture and Information Department
BGF 30.000 m²
Bauzeit 2008–2010

Fotos
Julia Ackermann, gmp, Hoang Duc Thinh

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