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03/12/2008 bis 27/02/2009 Stadien und Arenen – Architekten von Gerkan, Marg und Partner 

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Ausstellungsdauer
4.12.2008 – 29.02.2009
Ausstellungsort
gmp Architekturwerkstatt,
Völckersstraße, Hamburg

Als Meinhard von Gerkan und Volkwin Marg sich mit der Thematik von Sport-bauten erstmals auseinandersetzten, sprach man weder von Fitness- noch von Wellness-Studios, sondern eher von "körperlicher Ertüchtigung und Leibeserziehung". Aus einem von den Sozialdemokraten 1965 ins Leben gerufenen Ideenwettbewerb zum Schwimmhallenbau ging 1966 als erstes gebautes Projekt das Sportforum der Universität Kiel hervor, dem bald die Erstplatzierung eines internationalen Wettbewerbs, das Sportzentrum Diekirch in Luxemburg, folgte.

Mit den XX. Olympischen Spielen in München 1972 bekam das Nachkriegs-deutschland die Chance, sich als modernes, demokratisches und weltoffenes Land zu präsentieren. Für gmp hieß das: sich mit Platz 2 für den Entwurf des Olympiastadions zu begnügen. Auf Platz 1 wurde die immer noch in seiner Art einzigartige Zeltkonstruktion von Frei Otto mit Behnisch und Partner gesetzt.

 

Die Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland 2006 rückte einen weiteren wichtigen Baustein in die Sportbautengeschichte von gmp: das Berliner Olympiastadion und sein historisches Erbe. Der Entwurf und seine Realisierung schafften es, sowohl der historischen Konzeption der 1930er Jahre als auch den Ansprüchen, die an ein modernes überdachtes Stadion nach heutigen FIFA-Normen gestellt werden, gerecht zu werden.

Mit den Stadien in Frankfurt und Köln ergänzen zwei Stadien das Œuvre, die nicht nur von ihrer konstruktiven und ästhetischen Seite einmalig sind, sondern deren Bau auch eine logistische Meisterleistung war, weil er bei laufendem Spielbetrieb vonstatten ging. "Wenn wir die Vielgestaltigkeit unserer Entwürfe bedenken, wird schon deutlich, dass es uns auch um die Zeichenhaftigkeit nach außen geht, aber immer in Übereinstimmung mit der konstruktiven Logik", so Hubert Nienhoff, Partner im Büro gmp.

Diese architektonische Haltung hat bei gmp mittlerweile zu einer weltweiten Nachfrage geführt, so dass in der Ausstellung Stadien und Arenen nicht nur die ersten Bilder der fast fertigen WM 2010-Stadien in Kapstadt und Durban in Südafrika zu sehen sind. Es werden auch in Planung befindliche Stadien für die EM in Polen, oder in Tripolis, Bukarest und Neu Delhi sowie ganze Sportkomplexe, wie die Universiade in Shenzhen, China, vorgestellt.

Mit eindrucksvollen Fotos, anschaulichen Lageplänen und Schnitten sowie Architekturmodellen im Maßstab 1:20 werden die Projekte in der Ausstellung präsentiert und mit kurzen Erläuterungstexten kommentiert.

Wie uns die jüngsten Olympischen Spiele in Peking gezeigt haben, sind Stadien mehr als bloße Wettkampfstätten. Für die ausrichtenden Staaten sind sie wichtige Prestigeobjekte, die ihr Ansehen in der Staaten- und Kreditwelt erhöhen sollen. Für die Städte, in denen Weltmeister- und Europameisterschaften oder Olympische Spiele ausgetragen werden, sind die Stadien wichtige Konjunkturspritzen, die u. a. Infrastrukturprojekte voranbringen. Nicht zuletzt sind sie ein bedeutender Faktor im Stadtmarketing.

Für die Bevölkerung kommen die gebaute Inszenierung und die Regie der Massen in einer kollektiven Identifizierung mit dem Verein oder der Nation zum Ausdruck. "Der Mensch wird im psychologischen Sog der Massen nicht nur beim Sport ein Schwarmwesen sein, er wird auch immer in Gefahr bleiben, von politischer oder religiöser Schwarmgeisterei verführt zu werden", sagt Hubert Nienhoff. Der Architekt aber bestimmt nicht das Stück, das gespielt wird. Seine Bestimmung ist die Schöpfung des tektonischen Raumes. "Ich fühle mich wie ein Atheist, der eine Kathedrale bauen darf, denn ich liebe eigentlich leere Fußballstadien. Halb voll ist furchtbar, ganz leer oder ganz voll – so müssen sie sein!“  Volkwin Marg