China, Shenzhen-Bao’an 

Bao’an Stadion, Universiade 2011

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Wettbewerb 2007 – 1. Preis
Entwurf
Meinhard von Gerkan mit Stephan Schütz und David Schenke
Projektleitung David Schenke, Li Ran
Mitarbeiter Entwurf
Jennifer Heckenlaible, Daniela Franz, Zhang Xi, Yin Chao Jie, Zhou Bin, Anna Bulanda-Jansen, Cai Qing, Xu Ji
Mitarbeiter Ausführung
Matthias Grünewald, Cai Yu, Wang Le, Wang Li, Zhang Xi, Lucas Gallardo, Zhang Xiao Guang, Sebastian Linack, Li Zheng, Pan Xin, Martin Schulte-Frohlinde
Chinesisches Partnerbüro
SCUT South China University of Technology
Statik
schlaich bergermann und partner – Sven Plieninger mit Wei Chen
Lichtplanung Schlotfeld Licht, Berlin
Bauherr
The Sports Bureau of Bao’an District
Bauzeit
2009–2011
BGF
88.500 m²
Ränge
2
Sitzplätze
40.050
VIP-Logen
20
Businessplätze
360
Plätze für Rollstuhlfahrer
70
Presseplätze
216
PKW-Tiefgaragenstellplätze
750
Länge des Stadions
245.80 m
Breite des Stadions
245.80 m
Höhe des Stadions
39.65 m

 

Fotografen:

Christian Gahl

www.christiangahl.com

2011 wird zum wiederholten Mal eine der größten Sportveranstaltungen der Welt in China ausgerichtet. Die Sommer-Universiade in Shenzhen, der Nachbarstadt Hongkongs auf dem chinesischen Festland, wird den Fokus der Weltöffentlichkeit für mehrere Wochen auf die aufstrebende Stadt im Perlflussdelta richten. Das Stadion im Stadtteil Bao’an ist als Leichtathletikstadion für 40.000 Zuschauer konzipiert und wird während der Universiade 2011 für die Austragung der Fußballspiele genutzt.

Die weiten Bambuswälder Südchinas standen Pate für ein Bild, das einerseits den Charakter der regionalen Vegetation widerspiegelt und somit Identität stiftend wirkt, andererseits als Konstruktionsidee für das Tragwerk der Stadionränge und die Stützen einer weitgespannten Dachkonstruktion dient. In der äußersten Schicht des Stadions vereinen sich Fassade, Konstruktion und deutende Architektur- sprache zur gestalterischen Synthese. Die natürliche Ästhetik des Bambuswaldes – wie das Spiel aus Licht und Schatten zwischen den Pflanzen – wird mit den Reihen der schlanken Stahlstützen baulich übersetzt, wobei die Form des Bambus abstrahiert und überdimensioniert wird.

Der Bauplatz des Stadions befindet sich in unmittelbarer Nachbarschaft zu einer Sportarena und einer Schwimmhalle, die bereits eine Achse in Ost-West-Richtung bilden. Das Stadion und der dazugehörende Aufwärmplatz folgen städtebaulich dieser axialen Anordnung. Der Wahl der reinen Kreisform für die Geometrie des Stadions liegt die Entscheidung zugrunde, in der städtebaulichen Situation keine weitere Richtung aufzunehmen und den zentralen Charakter der Sportstätte zu betonen. Der Bedeutung des Gebäudes angemessen, steht das Stadion auf einem erhöhten Plateau, in das die Tribünen des Unterrangs und interne Funktionsbereiche des Stadions eingebettet sind. 

Vom Oval der Leichtathletik-Laufbahn entwickelt sich die Geometrie der Zuschauerränge bis zur perfekten Kreisform. Durch diesen Übergang entsteht eine ondulierende Oberrangtribüne mit vielen Zuschauerplätzen entlang der Längsseiten des Spielfelds und wenigen Plätzen an den Kurzseiten. Die geschwungene Linie der Tribünenoberkante wird auch in der Gesamtform des Stadions wiederholt.

Die Besucher einer Sportveranstaltung erreichen das Stadion über großzügige Freitreppen, die von vier Seiten auf das Podium hinaufführen. Die Fläche des Podiums bietet die Möglichkeit, sich frei um das gesamte Rund zu bewegen und die Stadiontribünen gleichmäßig von jeder Seite aus zu erschließen. Durch den "Wald" aus Stahlstützen tritt der Besucher in den ersten Umgang des Stadions, der zu den Treppen des Oberrangs führt, oder direkt zum oberen Rand der unteren Tribüne. Das Bild des Bambuswaldes entsteht durch einen zweireihigen Ring aus Stahlstützen, die in scheinbar freier Anordnung und Ausrichtung stehen. Jede zweite Stütze der inneren Stützenreihe verbindet sich mit der Betonstruktur des ondulierenden Oberrangs und trägt somit vertikale Lasten der Zuschauertribünen.

Die Stützen der Dachkonstruktion stehen zwar innerhalb der Reihen der Tribünenstützen, sind aber vom Betonbau völlig getrennt, um unabhängige Bewegungen des großen Daches zu ermöglichen. Die bis zu 32 m langen Stahlrohre unterscheiden sich qualitativ nach Tragverhalten und Funktion. Ihre Durchmesser sind der unterschiedlichen statischen Belastung angepasst und variieren von 550 mm bis 800 mm. Die Aussteifung der Konstruktion in horizontaler Richtung und die Entwässerung der Dachmembran werden ebenfalls durch spezielle Stützen übernommen.

Auf effizienten Materialeinsatz als das grundlegende Prinzip eines nachhaltigen Gebäudes wurde auch bei dem Entwurf der Dachkonstruktion des Bao’an Stadions besonders geachtet. Aus diesem Grund wurde für die Überdeckung der Zuschauerränge ein mit Membran bespanntes Seildach mit innerem Zugring und radialen Speichen gewählt, das im Verhältnis des Materialeinsatzes zu der überdeckten Fläche ein konstruktives Optimum für weit gespannte Konstruktionen ist. Das Dach mit einem Durchmesser von 230 m und einer Auskragung von 54 m auf jeder Seite der Tribünen wird durch 36 radiale Seilpaare gebildet, deren Vorspannung über einen doppelten Zugring aus Litzenbündeln über dem Spielfeld kreisförmig zusammengeschlossen wird. Die in verschiedenen Höhen liegenden Zugringe werden über 18 m hohe Luftstützen untereinander verbunden und stehen mit dem Druckring am Stadionrand nach dem Prinzip eines Speichenrades im Kräftegleichgewicht.