Deutschland, Clausthal-Zellerfeld 

Bergbauarchiv Clausthal-Zellerfeld

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Entwurf Meinhard von Gerkan
Partner Joachim Zais
Projektleitung Matias Otto
Mitarbeiter Thomas Dreusicke, Helge Reimer, Horst-Werner Warias
Objektüberwachung und Beratung Staatliches Baumanagement Harz
Statik Binnewies, Hamburg
Haustechnik Protec, Braunschweig
Landschaftsplanung WES, Hamburg
Generalunternehmer Wilbers, Aurich
Bauherr Oberbergamt Clausthal-Zellerfeld
Bauzeit 1999–2000
BGF 843 m²
BRI 3.155 m³

 

Fotografen:

Gerhard Aumer

Juergen Schmidt

jürgen_schmidt_fotografie@gmx.de

Ein neues Archivgebäude sichert den umfangreichen Schriftfundus zur Technik- und Kulturgeschichte des Harzes. Das älteste Dokument aus dem Jahre 1524 war bislang, wie alle Archivschriften, interessierten Lesern nur auf einem Dachboden zugänglich.

Der Idee eines rechtwinklig aufgeschlagenen Buches folgend, nimmt der liegende Buchdeckel des Gebäudes das Foyer auf, das Platz für Ausstellungen und Veranstaltungen bietet. Breite Flügeltüren und eine bis zum Boden reichende Fensterfront lassen Tageslicht in den großzügig wirkenden, mit hellem Kirschbaumholz ausgekleideten Veranstaltungsbereich. In diesem ebenerdigen Ausstellungssaal befinden sich ebenfalls die temporären Leseplätze für Nutzer des Archivs. Erschlossen wird das Gebäude auf diesem Niveau über den Zugang auf der Westseite vom Garten.

Über das Treppenhaus gelangt man in die Archivgeschosse, in dem die Dokumente in einer fahrbaren Regalanlage gelagert werden. Dieser Teil des Archivgebäudes bildet architektonisch den stehenden Buchdeckel. Es  richtet sich als schmale, rechteckige Scheibe auf: 19 Meter in der Höhe und nur 4 Meter in der Breite. Zum Altgebäude des Oberbergamtes hin wurde die Fassade des neuen Archivgebäudes mit Lärchenholz verkleidet. Es ist ein baulicher Bezug zum umgebenden Harzer Wald. Die andere breite Gebäudeseite des Bergbauarchivs wurde mit einer Bleifassade in vertikaler Scharteilung versehen als Erinnerung an die Bergbautradition der Stadt.

Die Grundbedingungen eines Archivs, das seine Bestände auch vor UV-Strahlen und klimatischen Schwankungen zu schützen hat, wurden architektonisch umgesetzt in einem fensterlosen Bau. Nur ein 3 x 3 Meter großer Ausschnitt im 3. Geschoss des Archivgebäudes lässt einen Bezug nach außen zu: Das gesamte Stockwerk wird in diesen Ausmaßen von einem hellen, gläsernen Raum durchzogen. Diese lichte Oase der Ruhe ist der Lesesaal. Kontemplativ stimmend wirkt das durch die breiten Glasseiten einfallende Tageslicht und stellt durch die Aus- und Einsichten semantische Bezüge zum historischen Altgebäude des Oberbergamtes nebenan und zum westlichen Gartenbereich her. Als schmückendes bauliches Detail wird der auf beiden Seiten verglaste Lesesaal wie ein Auge in der Fassade sichtbar.

In zwei bis drei Jahren wird das Archivgebäude seine vorbestimmte, äußere Anmutung vollenden. Dann wird das derzeit hellbraune Lärchenholz aufgrund der natürlichen Verwitterung seine silbergraue Patina angenommen haben und sich farblich mit der Bleifassade in einem Grau verbinden.