Brasilien, Brasília 

Estádio Nacional Brasília (Nationalstadion)

      
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Entwurf Volkwin Marg und Hubert Nienhoff, 2008
Projektleitung Martin Glass, Stefanie Eichelmann
Projektleitung Brasilien Holger Betz, Robert Hormes
Mitarbeiter Entwurf Carsten Borucki, Ante Bagaric, Helge Lezius, Florian Schwarthoff, Martin Krebes
Mitarbeiter Planung Carsten Borucki, Stefanie Eichelmann, Tobias Mäscher, Lucia Martinez, Ruth Gould, Rebecca Bornhauser, Adel Motamedi, Kacarzyna Ciruk, Laura Cruz Lima da Silva , Sara Taberner Bonastre
Mitarbeiter Brasilien Ralf Amann, Martina Brusius, Maryna Samolyuk
Arbeitsgemeinschaft mit schlaich bergermann und partner, Stuttgart; Castro Mello Arquitetos, São Paulo
Tragwerksentwurf und -planung Dach schlaich bergermann und partner – Knut Göppert mit Knut Stockhusen
Statik Etalp, São Paulo
Haustechnik b.i.g. Bechtold Ingenieurgesellschaft mbH; mha, São Paulo
Lichtkonzept Conceptlicht

Brasília, innerhalb von drei Jahren in einem heroischen Kraftakt erbaut und von Lucio Costa und Oscar Niemeyer entworfen und gestaltet, ist die einzige Stadtneugründung des 20. Jahrhunderts, die von der UNSECO zum Weltkulturerbe erklärt wurde. Als gebautes Manifest der autogerechten und funktionsgeteilten Stadt zählt es mit seinen monumentalen und plastischen öffentlichen Bauten zu den Ikonen der Moderne.

In diesem Kontext und vor dem Hintergrund der Fußball-Weltmeisterschaft 2014 erarbeitet gmp gemeinsam mit Castro Mello Arquitetos, São Paulo, und schlaich bergermann & partner, Stuttgart, den Entwurf des neuen Nationalstadions von Brasília.

Das bisherige Stadion Mané Garrincha wurde 1974 fertig gestellt und stammt aus der Hand von Ícaro Castro Mello. Sein Sohn Eduardo Castro Mello versieht nun das Gebäude mit einem neuen Unterrang und komplettiert das bisherige Oberrangfragment. gmp Architekten und schlaich bergermann & partner erarbeiten die umgebende Esplanade mit dem charakteristischen "Stützenwald" und einem zweischaligen Hängedach.
Maßgeblich bei der Entwicklung des Entwurfes war die eingehende Auseinandersetzung mit dem architektonischen und städtebaulichen Umfeld und Maßstab Brasílias.

Ziel des Entwurfes ist eine der architekturhistorischen Bedeutung angemessene Lösung, die sowohl klare Bezüge zur Tradition des Ortes aufweist und sich aber gleichzeitig als eigenständige, zeitgenössische Gestalt darstellt.

Als größtes und öffentlichstes Gebäude der Stadt und direkt an der zentralen Achse der städtebaulichen Grundfigur Brasílias gelegen, wurde die Komposition als monumentaler Baukörper entwickelt, der sich in angemessener Weise schlüssig in den städtebaulichen Kontext einfügt.

Dabei wird die "Stadionschüssel" mit einer kreisrunden Esplanade umgeben, die sämtliche Erschließungselemente beinhaltet und auf deren "Stützenwald" das Dach ruht. Diese klare und einfache Geste wird durch eine stark reduzierte, fast archetypische Gestaltung der einzelnen Bauteile unterstrichen. Wesentliches Material ist, ganz im Verständnis der brasilianischen Baukultur, Beton.
Das Dach selbst ist in idealer Kreisgeometrie als Hängedach konzipiert, das als zweischalige Struktur von einem Betondruckring gehalten wird. Dabei besteht die obere Lage aus unterschiedlich transluzenten Eindeck-Elementen, während die untere Lage als hinterleuchtete Membran ausgeführt wird.

Ein optionales verfahrbares Innendach ermöglicht eine wetterunabhängige Nutzung des für 70.000 Zuschauer ausgelegten Stadions. Es wurde ein umfangreicher Katalog ökologischer Maßnahmen entwickelt, der von der Integration von Photovoltaikmodulen in der Dachverglasung bis hin zur Regenwassersammlung reicht und der Brasiliens Anspruch an die erste nachhaltige Fußball-Weltmeisterschaft unterstreicht.