Deutschland, Frankfurt/Main 

Flughafen Frankfurt am Main, Erweiterung Flugsteig A-West

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Wettbewerb 2006 – 1. Preis
Entwurf Meinhard von Gerkan und Jürgen Hillmer
Projektleitung (Wettbewerb) Klaus Lenz
Gesamtprojektleitung (Entwurf und Ausführung)
Susanne Winter, Reiner Schröder
Teilprojektleiter Johann von Bothmer, Sebastian Flatau, Michael Horn, Christoph Schrade, Dominik Reh, Andreas Weihnacht

Mitarbeiter Wettbewerb Ingo Beckmann, Kai Beckmann, Marcus Carlsen, Christian Dahle, Henning Fritsch, Ben Joscha Grope, Markus Helmin, Matthias Holtschmidt, Silke Jessen, Eduard Kaiser, Raimund Kinski, Klaus Lenz, Prisca Marschner, Rouven Oberdieck

Mitarbeiter Entwurf und Ausführung Bernd Adolf, Winfried Albert, Peter Autzen, Martin Backhaus, Nicolas Balacco, Julia Bauer, Kai Beckmann, Karl-Heinz Behrendt, Mike Berrier, Rainer Binnig, Sarah Bolius, Dirk Buchhalla, Friedhelm Chlosta, Klaus Debus, Karlo Demrowski, Nils Dethlefs, Daisy Dewanto, Peter Diemer, Renata Dipper, Christian Dirumdam, Andreas Ebner, Jürgen Feyrer, Arnd Fickers, Falko Fock, Jelena Formentunovic, Jessica Gerlach, Hendrik Goossens, Frank Görge, Jörg Graul, Holger Großmann, Daniel Günther, Alexander Hardieck, Julian Heick, Markus Helmin, Oliver Hintz, Torsten Hinz, Hendrik Hoffmeister, Nina Hollberg, Eike Holst, Matthias Holtschmidt, Yi Jiang, Magnus Kessler, Raimund Kinski, Moritz Koppe, Bernd Kottsieper, Gabi Kottsieper, Carsten Kromschröder, Detlef Krug, Carmen Kunz, Michael Langwald, Markus Lehnhardt, Alexander Lellig, Klaus Liebscher, Verena Lücking, Prisca Marschner, Katja Mezger, Alexis Michalec, Alexander Mittenberger, Alan Moquet, Wiebke Morlang, Sigrid Müller, Sebastian Muschko, Christian Neunzig, Rouven Oberdieck, Cordula Oel, Alice Pape, Jun-Florian Peine, Simon Ranzenberger, Stefan Repnow, Uli Rösler, Peter Roch, Hedieh Sabet, Monica Sallowsky, Regine Saunders, Mark Schiebler, Andrea Seegers, Sabine Seelbach, Barbara Sellwig, Robert Schlett, Angela Schmidtutz, Hannes Schulz, Amra Sternberg, Evgeny Stolyarov, Arne Thomsen, Dirk Tietgen, Hito Ueda, Lorena-Tiziana Vacirca, Niels Vagt, Stefan Wagner, Mohamed Wahby, Ralf Walter, Lena Wegener, Andre Wegmann, Felix Wegmann, Birgit Weinland, Simon Wenig, Jens Wiedenhöft, Petra Wiemer, Alexander Will, Hendrik Winter, Jakub Witecki


Planungsgemeinschaft
- Tragwerksplanung: Weber und Poll Ingenieure
- Brandschutz: hhpberlin
- Technische Gebäudeausrüstung: Arup GmbH
- Verkehrsplanung: VSU Verkehr Städtebau Umweltschutz GmbH
Bauherr Fraport AG
Planungsbeginn Januar 2007
Bauzeit 2007–2012 (Umbaubereich Terminal 1 Bestand bis August 2013)

 

Fotografen:

gmp

www.gmp-architekten.de

Marcus Bredt

www.marcusbredt.de

Am 10. Oktober 2012 nahmen Fraport und Lufthansa die von den Architekten von Gerkan, Marg und Partner (gmp) geplante und realisierte Erweiterung des Flugsteigs A am Rhein-Main-Flughafen Frankfurt in Betrieb. Bereits am 2. Oktober fand die Einweihungsfeier statt. Der neue Flugsteig A+ erweitert die von Lufthansa genutzten Bereiche am Terminal 1 und war unabhängig vom Ausbauprogramm des Flughafens erforderlich, um die Großraumflugzeuge Airbus A380 und Boeing B747-8 adäquat bedienen zu können. Insgesamt war gmp sowohl mit dem Neubau der als Wurzel bezeichneten Verbindung zwischen den Flugsteigen A und A+ beauftragt als auch mit der Gepäckausgabe A, den erforderlichen Umbauten im Bestand des Terminals 1 sowie mit dem Neubau des Flugsteigs A+.

Die Planung dieses Großprojekts beinhaltete drei Schwerpunkte: die gestalterische Integration des Neubaus in den Bestand bei gleichzeitiger Schaffung einer baulichen Identität, die Einhaltung neuer EU-Sicherheitsregeln bei der Passagierabfertigung und die Schaffung eines Retail- und Loungekonzepts.


Architektonisches Konzept der Wurzel
An der baulichen Schnittstelle zwischen Terminalhalle A und Flugsteig A+ befindet sich in der Wurzel der zentrale Marktplatz mit einem großen Angebot an Geschäften, Gastronomie und Lounges. Seine verglaste, kegelförmige Öffnung lässt Tageslicht ins Innere, gibt den Blick in den Himmel frei, schafft Blickbeziehungen über die verschiedenen Ebenen des Marktplatzes. Gleichzeitig können die Passagiere durch eine breite Öffnung zur Luftseite das Vorfeld und die Flugzeuge sehen. Individuelle, themenbezogene Retail- und Gastronomiekonzepte wurden in ein übergeordnetes Gestaltungsprinzip eingebunden. Transparenz und Tageslicht, kombiniert mit einfachen und natürlichen Materialien, erzeugen eine angenehme Atmosphäre. Der zentrale Marktplatz bildet so einen unverwechselbaren architektonischen Raum mit hoher Verweilqualität.

Architektonisches Konzept des Flugsteigs A+
An die Wurzel anschließend erstreckt sich zirka 26 Meter breit der Flugsteig A+ über 600 Meter gen Westen. Wegen neuer EU-Sicherheitsbestimmungen, nach denen ankommende Passagiere aus Nicht-Schengenstaaten zwingend von abfliegenden und bereits kontrollierten Fluggästen zu trennen sind, musste der Flugsteig mit vier Obergeschossen geplant werden. Damit ist der Flugsteig A+ höher als der bestehende Bereich, orientiert sich aber gestalterisch am Bestand. Hierfür diente das am ganzen Flughafen geltende Gestaltungshandbuch, mithilfe dessen die gmp-Architekten trotz teilweise vorgegebener Materialien dem Flugsteig A+ seine Identität verliehen.

So verarbeiteten sie gezielt Materialien wie Naturstein, Metall und Holz wie im Terminal 1 – was einen fließenden Übergang von dem Bestands- in den Neubau erzeugt. Je weiter man geht, umso eigenständiger sind die Materialien eingesetzt, neu variiert und kombiniert, sodass der Flugsteig schließlich sein eigenes Gesicht bekommt. Aufgrund eines wirtschaftlich optimierten Konstruktionsrasters und einer großen Spannweite konnten die Planer auf eine Stützenreihe und damit störende Einbauten verzichten. Nebenräume wie Fluchttreppen, Technikschächte und WCs haben sie an den Rand auf der Nordseite platziert. Dies schafft einen durchgängig offenen, tageslichtdurchfluteten Raum und bewirkt Übersichtlichkeit sowie eine eindeutige Wegführung: Die Fluggäste können fast die gesamte Länge des Flugsteigs über mehrere hundert Meter überblicken. Nicht nur, dass dies die Orientierung erleichtert, der Weg und die Entfernung zum Gate sind so auch einfach einzuschätzen. Auch hier haben die Passagiere jederzeit das Vorfeld und die Flugzeuge im Blick.

Die Lichtführung mit architektonischen Mitteln unterstreicht die Raumwirkung. Sie basiert auf dem Zweiklang aus einer weichen Deckenaufhellung als Grundbeleuchtung und einer bewussten Differenzierung der einzelnen Funktionsbereiche. Lichtinseln und -zonen für die Counter- und Gatebereiche sowie die Retail- und Gastronomiebereiche bewirken eine Lebendigkeit innerhalb der großen Raumzusammenhänge und unterstützen ebenfalls die Orientierung der Fluggäste. Am Abend gelangt das künstliche Licht durch alle Öffnungen nach außen, was die nächtliche Formwirkung bestimmt. Das Zusammenspiel von Fassaden- und Dachstruktur mit seiner großen Öffnung im Wurzelbereich prägt die Nachterscheinung der Erweiterung A+ am Boden wie aus der Luft. Hierbei orientiert sich die Fassadengestaltung an der Großordnung und sucht die Lösung in der Reduktion im Detail.

Die Neubaumaßnahme der Entwicklung des Bereichs A+ ist trotz der unterschiedlichen Bauteile von Flugsteig und Wurzel als eine architektonische Einheit konzipiert und steht damit zeichenhaft mit einem nach innen und außen durchgängigen Erscheinungsbild für die Gesamtbaumaßnahme.