Deutschland, Mannheim 

Kunsthalle Mannheim

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Internationaler Wettbewerb 2012 – 1. Preis
Entwurf Meinhard von Gerkan und Nikolaus Goetze mit Volkmar Sievers
Projektleitung Wettbewerb Di Miao-Weichtmann
Mitarbeiter Wettbewerb Ulrich Rösler, Mira Schmidt, Steffen Lepiorz, Liselotte Knall, Kai Siebke, Frederik Heisel
Mitarbeiter 3D und Visualisierung Markus Carlsen, Tom Schülke, Jens Schuster, Christoph Pyka, Kenneth Wong, Björn Bahnsen
Projektleitung Ausführung (bis LPH 5 + künstlerische Oberleitung) Liselotte Knall, Kerstin Steinfatt
Mitarbeiter Ausführung (bis LPH 5) Ulrich Rösler, Raimund Kinski, Amra Sternberg, Viktoria Wagner, Hanna Diers, Michèle Watenphul, Anna Falkenbach, Felix Partzsch
Bauleitung LPH 6-9 W+P Gesellschaft für Projektabwicklung Sven Lemke, Kevin Puhmann
Bauherr Stiftung Kunsthalle Mannheim
BGF 17.366 m²

 

 

 

Fotografen:

Hans-Georg Esch

www.hgesch.de

Kunsthalle Mannheim: Lukac / Diehl

www.kuma.art

Marcus Bredt

www.marcusbredt.de

Nach gut zweieinhalbjähriger Bauzeit ist der Neubau der Kunsthalle Mannheim am 18. Dezember 2017 an die Stadt und ihre Bürger übergeben worden. Damit ist nach dem Entwurf der Architekten von Gerkan, Marg und Partner (gmp) einer der derzeit größten Museumsneubauten in Deutschland entstanden, der sich mit seiner unverwechselbaren Erscheinung selbstbewusst in die Umgebung einfügt. Nach mehreren großen Museumsprojekten in Asien, wie dem Maritim-Museum in Lingang New City (China), dem Nationalmuseum in Peking oder dem Hanoi Museum (Vietnam), handelt es sich um den ersten Museumsneubau von gmp von vergleichbarer Dimension in Deutschland.

Der neue Museumsbau am Mannheimer Friedrichsplatz schließt an das bestehende Jugendstilgebäude, den sogenannten Billing-Bau an, und ist als „Stadt in der Stadt“ konzipiert. Innerhalb einer einfachen Gesamtkubatur sind einzelne Baukörper für Ausstellungs- und Funktionsräume zu einer lebhaften Komposition zusammengefasst. Sie umschließen ein zentrales Atrium und sind über Galerien, Terrassen und Brücken miteinander verbunden. In Analogie zu den raumbildenden Elementen der Stadt – Haus und Block, Straße und Platz – entstehen für die Besucher abwechslungsreiche Rundgänge durch geschlossene und offene Räume mit wechselnden Ein- und Ausblicken. Dabei bleibt, wie im größeren Maßstab der „Quadratestadt“ Mannheim, durch die klare, übergeordnete Struktur eine einfache Orientierung gewahrt. Zugleich bietet jede Situation auf dem Weg durch die Ausstellungen immer wieder neue Eindrücke – so wie in einer Stadt durch die Vielfalt der Architektur, durch wechselnde Baufluchten, Aufweitungen und Freiräume kein Ort dem anderen gleicht.

Im Stadtraum erhält die Kunsthalle zur Parkanlage des Friedrichsplatzes hin eine repräsentative Schauseite – wie bereits bei ihrer Gründung vor hundert Jahren angedacht. Von dort aus erreichen die Besucher über den neuen Haupteingang das zentrale Atrium. Es bildet den Ausgangs- und Orientierungspunkt für die Rundgänge durch die Ausstellungsbereiche auf drei Ebenen, von denen zwei über den historischen Athene-Trakt mit dem Jugendstil-Bau und von dort mit dem Freilicht-Skulpturengarten verbunden sind. Das Ausstellungskonzept sieht große Räume mit Lichtdecken vor, die sich variabel bespielen lassen, sowie zwei Kuben mit Seitenlicht. Im zweiten Obergeschoss ist eine Dachterrasse in den Rundgang integriert, von der aus sich den Besuchern das Panorama des Friedrichsplatzes mit dem markanten Wasserturm eröffnet. Durch dieses Raumkonzept sind Museums- und Stadtraum vielfach funktional und visuell miteinander verwoben, sodass einerseits die Kunst über die Architektur weit in die Stadt ausstrahlt und andererseits die Stadt gewissermaßen barrierefrei in die Räume des Neubaus hineinfließt.

Die Fassaden sind von einem transparenten Metallgewebe – einem bronzefarben beschichteten Edelstahl-Mesh – umhüllt, das die Gesamtkubatur definiert und sich farblich an den Sandstein der Umgebung anlehnt. Variierende Maschenweiten sorgen für unterschiedlich starke Transparenz. Nach außen bleibt die Lesbarkeit des Volumens gewahrt, sodass die einzelnen Baukörper bei Tag und Nacht sowie in der Nah- oder Fernwirkung graduell differenziert wahrnehmbar sind. Wie eine Stadtstruktur eine Ordnung bildet, in der sich jede Einzelarchitektur individuell artikuliert, schafft das Konzept der „Stadt der Kunst“ einen identitätsstiftenden architektonischen Rahmen und ermöglicht als Projektionsfläche zugleich größte kuratorische Freiheit.

Architekturfilm
Hans-Georg Esch & Oliver Schwabe