Entwurf Volkwin Marg und Christian Hoffmann, 2007
Projektleitung Franz Lensing
Mitarbeiter Entwurf Sarah Coenes, Franz Lensing, Sebastian Möller, Marek Nowak, Christoph Salentin
Mitarbeiter Ausführung Sarah Coenes, Michael Haase, Flori Jackowski, Monika Kaesler, Olaf Peters, Tobias Bley, Katja Mezger, Marie Merkelbach
Arbeitsgemeinschaft mit University of Architecture and Urbanism "Ion Mincu" Bucharest
Tragwerksentwurf und -planung Dach Schlaich Bergermann und Partner – Knut Göppert mit Roman Kemmler
Statik Krebs und Kiefer
Haustechnik iproplan
Generalunternehmer Max Bögl/Astaldi
Bauherr Stadt Bukarest City of Bucharest
Bauzeit 2008–2010
Ränge 2
Sitzplätze 55.000
VIP-Logen 40
Businessplätze 3.500
Plätze für Rollstuhlfahrer 135
Presseplätze 50
Länge des Stadions 240 m
Breite des Stadions 200 m
Höhe des Stadions 50 m
Fotografen:
Marcus Bredt
Die Geschichte
Das Lia Manoliu Stadion wurde anlässlich der 4. Weltfestspiele der Jugend und Studenten am 31. Juli 1953 unter dem Namen "Stadionul National" errichtet. Bis 1990 trug das Stadion den Namen "23. August" in Anlehnung an den rumänischen Nationalfeiertag, bevor es wieder in "Nationalstadion" umbenannt wurde. Zu Ehren der verstorbenen Olympiasiegerin im Diskuswurf Lia Manoliu, die im Laufe ihrer sportlichen Karriere drei Medaillen bei den Olympischen Spielen gewinnen konnte, wurde das Stadion im Jahre 1998 nach ihr benannt.
Das als multifunktionales Erdwallstadion konzipierte Projekt bot 60.120 Menschen Platz und war wie viele Stadien der sechziger Jahre ohne Überdachung. Das Lia Manoliu Stadion war nicht nur das Heimstadion der rumänischen Nationalmannschaft, sondern war nach der Revolution 1989 Spielstätte für zahlreiche Konzertveranstaltungen internationaler Pop Stars.
So beeindruckend sich die alte, im Oval der Leichtathletiklaufbahn angelegte einrangige Tribünenanlage für 60.000 Zuschauer dem Betrachter auch darstellt, ist dieses Prinzip der Tribünenanordnung unter Berücksichtigung moderner Anforderungen für ein Fußballstadion ungeeignet. Um den Anforderungen an ein reines modernes Fußballstadion gerecht zu werden, wurde daher die bestehende Tribünenanlage in weiten Teilen zurückgebaut, die neuen Tribünen in zwei Ebenen nahe an den Rand des Fußballfeldes herangerückt, erforderliche Funktionsbereiche für VIP’s, Presse und Sportler ergänzt und die gesamte Anlage mit einer filigranen Membrandachkonstruktion überdeckt.
Der Entwurf
Die Konzeption eines Erdwallstadions blieb bei der Neuplanung des 55.000 Zuschauer fassenden Stadions erhalten. Die Besucher erreichen die 16.500 Sitzplätze des Unterranges wie ehedem von der Krone eines Erdwalls auf die Tribüne herabsteigend, den sie vorher über großzügige Freitreppenanlagen erklommen haben. Von diesem erhöhten Umgang mit freiem Blick über den gesamten Sportpark wird über Treppenanlagen der Oberrang erschlossen, der über eine Sitzplatzkapazität von 35.500 Zuschauern verfügt.
Ein weiteres offenes Ringfoyer ermöglicht auf der Ebene 02 die horizontale Verteilung der Zuschauer des Oberranges. In 20 m Höhe bietet sich den Besuchern von dort aus ein weiter Ausblick über den Lia Manoliu Sportpark im Zentrum der Stadt Bukarest.
Im Haupteingangsbereich im Westen des Stadions ist das Prinzip des Erdwallstadions unterbrochen. Auf fünf Ebenen sind hier sämtliche Sondernutzungsbereiche des Stadions angeordnet. Mit 42 Logen, einem Businessclub für 3.500 VIP Gäste, Sportlerumkleiden und Pressearbeitsbereichen sowie einer Garage mit 190 PKW Stellplätzen im Untergeschoss erfüllt das Stadion die Anforderungen an eine internationale Spielstätte.
Die Stadt Bukarest ist eine der am stärksten durch Erdbeben bedrohten Städte Europas. Über 1000 Menschen vielen dem letzten großen Beben am 4. März 1977 zum Opfer. Diese besonderen Umstände des Standortes beeinflussen auch die Bautechnik maßgeblich.
Die Vielzahl der in engem Abstand voneinander angeordneten Stahlbetonfassadenstützen ist ein Ergebnis konstruktiver Notwendigkeit. Der Wechsel hoher, und weniger hoher Außenstützen im Zusammenhang mit dem neuen Erdwallsockel gliedert das Gebäude in klassischem Sinne. Die Reduzierung der architektonischen Aussage der Stadionfassade auf die reinen Konstruktionselemente verleiht dem Projekt seine archaischen Charakter, ähnlich dem einer antiken Arena.
Die Überdachung des Stadions folgt dem konstruktiven Prinzip einer Radkonstruktion, bei der das Membrandach zwischen der Felge eines äußeren Druckringes und der Nabe eines inneren Zugringes gespannt ist. Der über dem Stadioninnenraum angeordnete Zugring hält die Membrandachkonstruktion in der Schwebe. Der hohen Zugspannung der Stahlseile wirkt die Stahlkonstruktion des äußeren Druckringes entgegen. Bisher einmalig ist der Verzicht auf einen weiteren Druckring im Anschlusspunkt der unteren Zugseile im Bereich des oberen Tribünenanschlusses. Die Lasten aus den Radialseilen werden beim Lia Manoliu Stadion unmittelbar in die Stahlbetonkonstruktion der Zahnbalken des Oberranges eingeleitet.
Wie ein Spinnennetz überspannen die Führungsseile des faltbaren Innendaches das Spielfeld des Stadions. Im zentralen Videowürfel geparkt, ermöglicht die zusätzliche mobile Überdachung Veranstaltungen auch bei schlechter Witterung. Insbesondere für die Austragung von Sonderveranstaltungen, bei denen sich Zuschauer auch im Innenraum des Stadions aufhalten, ermöglicht die mobile Überdachung ein witterungsunabhängiges Veranstaltungsprogramm.












