China, Lingang New City 

Lingang New City

get pdf
arrowBildübersichtarrow

Wettbewerb 2002/2003 – 1. Preis
Entwurf Meinhard von Gerkan
Partner Nikolaus Goetze
Team Entwurf Jessica Weber, Annika Schröder, Beate Quaschning, Christoph Böttinger, Wu Wei, Sigrid Müller, Eduard Kaiser, Hsu Hung-Wei, Richard Sprenger, Stephanie Heß, Christian Krüger, Hector Labin, Markus Carlsen
Hafenplanung HPC Hamburg Port Consulting
Landschaftsarchitekten Breimann & Bruun
Lichtplanung Schlotfeldt Licht
Bauherr Shanghai Harbour City Development (Group) Co., Ltd.
Fläche 74 km²
Einwohner 800.000
Bauzeit 2003–2020

Projekte in Lingang New City
Lingang Service Center
Maritim-Museum
Nanhui Administration Center
Verwaltungsgebäude Freetrade II
Freetrade Port Management
Gang Cheng Office Building
Torhäuser
Barcodehallen
Fabrikfassade für den Caohejing Hi-Tech Park

 

Fotografen:

gmp/Julia Ackermann

Hans-Georg Esch

www.hgesch.de

Heiner Leiska

www.leiska.de

Marcus Bredt

www.marcusbredt.de

 

Weiterführende Links:

Lingang New City - Infrastruktur

Shanghai
Shanghai ist ein wichtiges Wirtschaftszentrum und zugleich Verkehrsknotenpunkt innerhalb Chinas. Als historisch und kulturell bedeutende Stadt soll sich Shanghai zukünftig zu einer internationalen Wirtschafts-, Finanz und Handelsmetropole weiterentwickeln. Die rasch zunehmende Einwohnerzahl Shanghais von heute fast 19 Millionen wird im Jahr 2020 bereits 23 Millionen betragen, darunter allein wohl 18 Millionen städtische Bevölkerung. Das Stadtzentrum Shanghais wird im Jahr 2020 eine geschätzte Fläche von 600 km² und ca. 9 Millionen Einwohner haben.

Um das enorme Bevölkerungs- und Industriewachstum von Shanghai aufzunehmen, lobte das dortige Stadtplanungsamt einen internationalen Wettbewerb zur Planung einer neuen Hafenstadt in Zusammenhang mit dem internationalen Container-Tiefseehafen Yangshan aus. Der erste Preis des mehrstufigen Wettbewerbs ging an das Hamburger Architekturbüro gmp – von Gerkan, Marg und Partner. Die neugeplante Satellitenstadt Lingang New City soll auf ca. 74 km² Platz für 800.000 Einwohner bieten und stellt neben Chandighar, Brasilia und Canberra die einzige Stadtneugründung dieser Größenordnung während der letzten hundert Jahre dar.

Städtebauliches Konzept
Das Konzept von Lingang New City greift die Ideale der tradierten europäischen Stadt auf und verbindet sie mit einer "revolutionären" Idee: Den Mittelpunkt bildet – anstelle eines baulich verdichteten Stadtzentrums – ein kreisrunder See von 2,5 km Durchmesser und 8 km Seepromenade mit einem Badestrand à la Copa Cabana im Herzen der Stadt. Kulturbauten und Freizeitangebote sind auf Inseln situiert und per Schiff erreichbar. Die Stadt Alexandria, als eines der sieben Weltwunder, stand Pate für den Entwurf; die Lebensqualität durch die Nähe zum Wasser bezieht sich auf Referenzen aus Hamburg. Das Bild konzentrischer Wellen, die durch einen ins Wasser fallenden Tropfen gebildet werden, ist das metaphorische Leitbild der ganzen Stadtstruktur. Dieser Allegorie entsprechend gliedern sich die Nutzungsstrukturen in konzentrischen Ringen von innen nach außen um den zentralen Lake Dishui: von der Promenade über einen Businessdistrikt mit hoher Verdichtung, einen 500 Meter breiten, ringförmigen Stadtpark mit solitär eingelagerten öffentlichen Bauten bis hin zu den blockartigen Wohnquartieren für jeweils 13.000 Menschen. Der Stadtring zwischen Seepromenade und Grüngürtel, der Businessdistrikt, bildet das Zentrum des städtischen Lebens. Hier befinden sich in Mischnutzung Büros, Geschäfte, Einkaufspassagen, Fußgängerzonen und verdichtetes Wohnen. Die konzentrische Struktur wird von radialen Strahlen in Form von Straßen und Wegen nach dem Prinzip einer Windrose überlagert. Sie geben der Stadt ein klares Ordnungsprinzip und unterteilen die bebauten Ringe in einzelne Sektoren. Auf diese Weise entsteht ein ideales Erschließungsnetz, innerhalb dessen sich die Stadt auch über das geplante Maß hinaus erweitern kann. Die Landschaft dringt keilförmig bis zum zweiten Ring vor. Wasserläufe und kleine Seen durchdringen alle Quartiere und thematisieren das "Wohnen am Wasser" in zahlreichen Varianten.

Ringbebauung
Alle drei Schichten der Ringbebauung sind als verdichtete Blockrandbebauung vorgesehen, aufgelockert durch Quartiersplätze und kleine Pocketparks. Der Promenadenring bietet einen grandiosen Blick über den See, der darauf folgende Cityring ist frei von Autoverkehr und charakterisiert durch die Shoppingnutzung. Der abschließende Parkring bietet eine attraktive Lage zwischen Stadtpark und See und im nördlichen Bereich die Möglichkeit zur Wohnnutzung. Jede der drei Schichten hat ihr eigenes Gesicht. Differenzierungen in den Höhen der Blöcke, der Materialwahl und Außenraumgestaltung sorgen für eine spannungsvolle Vielfalt. Gleichzeitig unterliegen sie alle einem gemeinsamen städtebaulichen Kanon, der die einzelnen Bauten plausibel und nachvollziehbar als Teile eines Ganzen zu einem Ensemble fügt. Um die geeigneten Materialien für die Stadt Lingang New City auszuwählen, ist ein Blick auf die alte Bautradition Chinas, und insbesondere der Region Shanghai für wichtig. Eine gelungene Mischung aus kultureller Tradition und modernen europäischen Architekturstilen wird Lingang seine unverwechselbare Identität geben.

Die 14 Wohnquartiere, die sich im 3. Ring von Lingang um das Zentrum herum gruppieren, sind als definierte, ausgewiesene Bereiche eingebettet in den gewachsenen Landschaftsraum der Provinz von Nanhui. Als autarke Kleinstzentren mit Geschäften, Dienstleistungen, medizinischer Grundversorgung, Kindergarten und Kinderkrippe bilden sie eigenständige Gemeinden. Weisen sie durch eine einheitliche Größe, ein einheitliches Raster, ein gemeinsames Grundmodul und einen vorgegebenen Materialkanon eine eindeutige Gruppe aus, so differenzieren sie sich in der Gestaltung des öffentlichen Raumes. Plätze und städtische Parks werden durch internationale Hafenstädte, die als Paten fungieren, geprägt. Dies schafft den Spielraum für eine jeweils eigene Identität und Unverwechselbarkeit.

Radiale Struktur
Die radiale Struktur, die die Stadtringe in einzelne Segmente unterteilt, entwickelt entlang ihres Verlaufs Plätze unterschiedlicher Größe und Form. Der prägnanteste unter den Plätzen ist der Hauptplatz an der West-Ost-Achse. Er ist Auftakt und Einladung zu einem Spaziergang über die Seepromenade und Anziehungspunkt für Touristen aus aller Welt. Die ebenfalls radial verlaufenden Stadtkanäle übernehmen wichtige Funktionen im Wasserhaushalt der Stadt, dienen aber ebenso der Gliederung und Identitätsbildung im innerstädtischen Gebiet. Durch individuelle Gestaltung und Profil erhält jeder Kanal einen eigenen Charakter und eine eigene Identität. Ihre Namen erinnern an die großen Flüsse der Welt (Mississippi, Ganges, Wolga, Jangtse, etc.).

Landmarken
Die Landmarken sind weithin sichtbare Repräsentanten des Seins und des Inhaltes von Lingang. In ihnen manifestieren sich die wirtschaftliche Quelle, Herkunft und Kultur der Stadt. Als solitäre Bauten sind sie in ihrer Materialität filigran und gläsern. Leuchtenden Kristallen gleich, stehen sie sinnbildlich für die urbane Gemeinsamkeit und geben somit dem Stadtzentrum architektonische Identität.

Realisierung
Im Jahr 2008 war der erste Bauabschnitt der neuen Stadt für 80.000 Einwohner auf dem Gebiet des heutigen Festlandes abgeschlossen. Zweiter und dritter Bauabschnitt folgen bis zum Jahr 2020. Das hierfür benötigte Areal wurde durch Aufschüttung dem Ozean abgerungen. Im Zuge dieser Landgewinnung entstand auch der Lake Dishui – als Mittelpunkt der neuen Hafenstadt.