Deutschland, Berlin 

TXL+ Berlin Gesamtkonzept

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TXL+ Strategien für eine nachhaltige Stadt
Nachnutzungskonzept für den Flughafen Berlin-Tegel

Studie 2008
Entwurf Meinhard von Gerkan und Stephan Schütz mit Nicolas Pomränke
Projektleitung Clemens Kampermann
Mitarbeiter Entwurf Clemens Ahlgrimm, Anna Liesicke, Jochen Sültrup, Michael Reiss
Bauherr Land Berlin

 

Weiterführende Links:

Flughafen Berlin-Tegel
Flughafen Berlin-Brandenburg Willy Brandt
aac Academy for Architectural Culture

Konzepte für eine "Energie-Plus-Stadt:

Terminalgebäude Nachnutzungskonzept
Urbane Metamorphose - Naturräumliche Gliederung
Energie
Metabolische Architektur – Die Stadt als flexibler Organismus
Kontur – Urbanität und Nachhaltigkeit
Wohnen – Arbeiten und Dichte
Hofhäuser
Ein Projekt der Architekten von Gerkan, Marg und Partner und der aac Academy for Architectural Culture (aac) www.aac-hamburg.de

Präambel:
Die aktuelle Diskussion um nachhaltigs Bauen trennt sich in zwei kontroverse Lager. Während sogenannte Aktivhauskonzeptionen nicht die Summe der verbrauchten Energie in den Vordergrund der Betrachtung stellen, sondern vielmehr deren regenerative Gewinnung und technologische Minimierung, geht der passive Lösungsansatz primär von einer höchstmöglichen Minimierung des Energiebedarfs aus.

Obwohl beide Ansätze ihre Berechtigung haben, will sich die aac einen möglichst ideologiefreien Standpunkt erarbeiten. Hierbei versucht die aac über eine dialogische Annäherung keine ausschließlich technologische, sondern vielmehr eine städtebaulich-architektonische Antwort zu geben, die sich aus dem Ort, der Funktion und dem sozialen sowie ökonomischen Kontext herleiten lässt. Sie bezieht sich auf das erfolgreiche europäische Stadtmodell, das jedoch neu interpretiert und im Sinne der nachhaltigen Stadtentwicklung weiterentwickelt wird.

Die daraus resultierende Strategie lässt aktive wie passive Modelle zu. Nicht die Suche nach einer allgemeingültigen Lösung, sondern das Aufzeigen vielfältiger architektonischer Ansätze, die dem gemeinsamen Ziel einer nachhaltigen Stadtentwicklung dienen, sind Maßstäbe für die aac.

Anlass und Ziel
Durch die Eröffnung des neuen Berlin-Brandenburger Flughafens BER steht 2012 die Schließung des Flughafens Berlin-Tegel bevor. Um dem Standort und dem architektonisch wertvollem Bestand eine Zukunft zu sichern, besteht nun die Chance, mit einer umfassenden Strategie eine ganzheitliche Lösung für das gesamte Areal zu entwickeln.

In Anbetracht der aktuellen Erkenntnisse der Klimaforschung und des erheblichen Anteils, den Gebäude am globalen Energiebedarf ausmachen, schlug Meinhard von Gerkan Ende 2008 vor, auf dem ehemaligen Flughafengelände eine Stadt der Zukunft zu bauen, deren Errichtung und Nutzung den Prinzipien der Nachhaltigkeit folgt. Als Nukleus dieser zukünftigen Stadt dient das ehemalige Terminalgebäude, das als Showroom der Deutschen Umweltindustrie eine umgehenden Nutzung erhält und langfristig die Planungszentrale einer Energie-Plus-Stadt darstellt.

Terminal und Nebengebäude

Bei der Nachnutzung des Terminals ist von folgenden Prämissen auszugehen:

  • schnellstmöglicher Beginn der Nachnutzung, um Unterhaltskosten und  Schäden an den leerstehenden Gebäude zu vermeiden
  • minimale Investitionskosten, die der Finanzlage des Landes Berlin entsprechen 
  • Erhalt und Stärkung der architektonischen Qualität des Bestandes
    Hohe Flexibilität der umgestalteten Flächen, um ein möglichst breites Spektrum an Interessenten erreichen zu können

Es ist naheliegend, dass der Bestand durch Entfernen nachträglicher Einbauten seine architektonische Qualität wiederzugewinnt. Um den Anspruch einer nachhaltigen Planung gerecht zu werden, soll der für heutige Verhältnisse relativ hohe Energieverbrauch vollständig durch regenerative Energiequellen gedeckt werden. Dieser aktive Ansatz wird einerseits durch die sichtbaren Maßnahmen zur Energiegewinnung anschaulich gemacht,  gleichzeitig stellt er eine inhaltliche Stellungnahme wider das oftmals unreflektierte "Einpacken" von Gebäuden dar.

TXL+ Eine Energie-Plus-Stadt

Während für die Nachnutzung des Bestandes und deren schnellstmögliche Umsetzung vor allem pragmatische und einfache Maßnahmen vorgeschlagen werden, hat die Energie-Plus-Stadt Tegel den Anspruch, eine für die Zukunft beispielhafte Planung darzustellen, die architektonisch, energetisch und sozial höchsten Anforderungen entsprechen kann.

Der generelle Paradigmenwechsel liegt hierbei jedoch nicht in der technischen Optimierung von Gebäude, vielmehr generiert die neue Stadt durch Dichte und funktionale Flexibilität Lebensformen, die strukturell zu einer optimierten Nutzung von Energie führen. Der durch die  zwei vorhandenen Landebahnen definierte Streifen besitzt eine starke Symbolkraft und hohen Wiedererkennungswert und beschreibt gleichzeitig durch seine klar definierten Grenzen die Strategie, dem Flächenfraß der Vorstädte eine kompakte, verdichtete und mit hoher Lebensqualität ausgestattete Stadtstruktur entgegen zu stellen.

Urbane Dichte
Urbane Dichte ist eine der Maximen der Planung TXL+. Die konsequente Umsetzung derselben hat folgende Vorteile:

  • Reduktion von Verkehrsaufkommen
  • Optimierung des A/V-Verhältnisses pro Einwohner
  • Reduzierung von Versiegelung
  • Schaffung von großen Freiflächen (Nutzpflanzen, Landwirtschaft, Renaturierung)
  • Intensivierung sozialer Strukturen, Schaffung von Urbanität
  • Wirtschaftlichere Nutzung gemeinsamer Infrastruktur
  • Konzentration öffentlicher Einrichtungen

Hierbei geht es weniger um einen numerischen Idealwert von Dichte (z.B. über die GFZ), sondern um eine räumliche, soziale und funktionale Dichte, die vor allem vor dem Hintergrund ihrer architektonisch-atmosphärischen Qualität betrachtet wird. Diese Maxime erlaubt es strukturell differenzierte Antworten zu geben, die sehr unterschiedliche, aber allesamt qualitativ hochwertige Lebensräume erzeugen.

Nutzungsoffene Gebäudestrukturen

Eine weitere nachhaltige Strategie ist die Schaffung nutzungsoffener Strukturen statt funktional vordefinierter Gebäude. Diese daraus relutierende Flexibilität wirkt sich ebenso nachhaltig auf den Energieverbrauch wie auf die  Lebensqualität der neuen Stadt aus: 

  • deutliche Verlängerung der Lebensdauer der Gebäude, da bei einer Nutzungsänderung kein Um- oder gar Neubau notwendig ist
  • Funktionale Durchmischung, dadurch Schaffung von Urbanität
  • Vernetzung von Berufs- und Privatwelt, weitere Reduzierung von Verkehren

"Triple-Zero"
Neben der städtebaulichen Nachhaltigkeit, sollen natürlich auch die Gebäude selbst einen Beitrag zum nachhaltigen Bauen leisten. Hierbei wird die Strategie "Triple Zero" verfolgt:

  • Gebäude zu bauen, die für ihren Betrieb in der Jahressumme keine Energie benötigen ("Null  Energiverbrauch / Zero Energy")
  • Gebäude zu bauen, die keine schädlichen Emissionen abgeben ("Null Emssion / Zero Emission")
  • Gebäude zu bauen, die vollständig rezyklierbar sind ("Null Rückstände / Zero Waste")

Diese Strategie erlaubt es, sich der gesamten Vielfalt aktueller technischer Lösungen zu öffnen, gleichzeitig aber vor allem darzulegen, dass nachhaltiges Bauen nur auf der Grundlage hochwertiger städtebaulicher und architektonischer Planung möglich ist.