Spanien, Madrid 

Umbau des Estadio Santiago Bernabéu

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Architekten gmp • von Gerkan, Marg und Partner gemeinsam mit L35 Arquitectos, RIBAS & RIBAS Arquitectos
gmp Entwurfsteam
Volkwin Marg und Hubert Nienhoff mit Markus Pfisterer
gmp Project Management Markus Pfisterer, Martin Glass
L35 Entwurfsteam Tristán López-Chicheri, Ernesto Klingenberg, Alejandro Barca, Alejandro Lorca
RIBAS & RIBAS Entwurfsteam José Ribas, Inma Ribas und Adriana Ribas
gmp Mitarbeiter Wettbewerb Nikolai Reich, Ignacio Zarrabeitia, Holger Betz, Benjamin Moore, Martin Hakiel, Monika Kwiatkowski, Ruthie Gould, Katya Vangelova, Peter Axelsen, Christian Möchl,
gmp Mitarbeiter Entwurfsplanung Nikolai Reich, Ignacio Zarrabeitia, Florian Alles, Sara Taberner Bonastre, Victor Pageo, Benedikt Wannenmacher, Sebastian Seyfarth, Robert Essen, Ana Tendeiro, Marius Wiese, Alessio Fossati, Tommaso Miti
Bauherr Real Madrid C.F.

 

Fotografen:

gmp Architekten / L35 / Ribas

Im Januar 2014 haben von Gerkan, Marg und Partner Architekten (gmp) – zusammen mit den spanischen Projektpartnern L35 Arquitectos und RIBAS & RIBAS – den ersten Preis beim Wettbewerb für den Umbau des Estadio Santiago Bernabéu in Madrid gewonnen. Mit ihrem Design, das die Architekten im Rahmen des anderthalbjährigen Einladungswettbewerbs entwickelten, konnten sie sich gegen drei hoch renommierte internationale Teams durchsetzen: Foster / De la Hoz; Herzog & de Meuron / Rafael Moneo sowie Populous / Estudio Lamela.

Das legendäre Estadio Santiago Bernabéu, Heimat des spanischen Rekordmeisters Real Madrid CF sowie eines der wichtigsten Wahrzeichen Madrids, soll erweitert und umgebaut werden. Ein neues Dach – inklusive eines verfahrbaren Innendaches über dem Spielfeld –, wird ebenso Teil des neuen Stadionvolumens sein wie neue Einkaufs-, Business- und Freizeitfunktionen und ein Hotel. Die umfangreichen Umbaumaßnahmen erfolgen bei laufendem Stadionbetrieb.

Von allen neuen Entwurfselementen ist die Fassade sicherlich das auffälligste. Sie vereint die bisher bestehenden, disparaten Bauelemente und setzt damit der jetzigen Heterogenität ein Ende, die den seit der Stadioneröffnung 1947 jeweils schrittweise erfolgten Baumaßnahmen geschuldet ist. Als skulpturale Hülle aus subtil geschwungenen, diagonalen Metall-Lamellen, bietet die in unterschiedlichen Transluzenzgraden ausgeführte Fläche eine Vielzahl von verschiedenen Ansichten – sowohl nach außen als nach innen. Sie erhellt die umliegenden Straßen und gibt dem Außenraum des Stadions eine neue besondere Qualität.

Aus der Ferne betrachtet erscheint die Metallstruktur als funkelndes Juwel im Stadtbild, das das Tageslicht in verschiedenen, je nach Blickwinkel variierenden Nuancen reflektiert. In den Abendstunden kann die Fassade mithilfe von LEDs in verschiedensten Szenarien beleuchtet werden. Dabei basiert die Geometrie der perforierten Stadionhülle nicht nur auf der Idee, dem Stadion eine skulpturalen Präsenz oder diverse Lichtstimmungen zu geben, sondern sie spielt zum Beispiel auch eine wichtige Rolle für die natürliche Belüftung des Innenraums. In Korrelation zu den jeweiligen Funktionen, die sich hinter der Fassade befinden, und dem Tageslichtbedarf der unterschiedlichen Nutzungen wird der Grad der Transparenz und Perforation der einzelnen Metallpaneele entsprechend angepasst.

Im oberen Fassadenbereich, oberhalb der Ränge, umläuft eine sanft geschwungene Promenade die gesamte Struktur. Sie erlaubt einen Panoramablick nicht nur auf das öffentliche Leben der Plazas und den benachbarten Straßen, sondern auch auf das sportliche Geschehen oder den Events im Stadion selbst. Die Westfassade wird wegen ihres riesigen, zur Hauptstraße La Castellana hin ausgerichteten integrierten Bildschirms, der für besondere Events und Präsentationen konzipiert ist, selbst zum Blickfang werden.

Während das Design alle urbanen Vorschriften berücksichtigt, insbesondere in Bezug auf den Abstand zu anderen Gebäuden, wirken sich zwei Neuerungen unmittelbar auf die städtebauliche Umgebung aus:

So erlaubt das neue städtebauliche Arrangement auf der Ostseite – durch den Abriss des bestehenden Einkaufszentrums – neue urbane Qualitäten für die Plaza Sagrados-Corazones: Eine neue öffentliche Freifläche wird entstehen, sowie weitere öffentlichen Einrichtungen, allen voran das Museum des Clubs Real Madrid. Dieses wird in einer neuen Gebäudeschicht untergebracht, die durch die Fassade dennoch eine perfekte Einheit mit dem Stadionkörper bildet.

Der Westteil des Stadions wird hauptsächlich kommerzielle Funktionen beherbergen, so z.B. ein Luxushotel, Geschäfts- und Freizeiteinrichtungen. Die West-Logen haben einen direkten Zugang zum Hotel und können flexibel in Konferenzräume mit Blick auf das Spielfeld verwandelt werden. Die entscheidende städtebauliche Neuerung ist allerdings die neue Qualität des Platzes vor der Westseite. Hier wird ein Ort öffentlicher Zusammenkunft geschaffen, zum Beispiel bei Live-Übertragungen (Public Viewing). Der neu gestaltete Platz öffnet dabei auch eine Sichtachse zum Paseo de la Castellana und stellt eine visuelle und räumliche Verbindung zum bestehenden grünen Boulevard her.

Die Konstruktion des neuen Dachtragwerks basiert auf dem Prinzip des Speichenrads und wird als leichte Seilkonstruktion mit einer Membranverkleidung und darüber angeordneten Metall-Lamellen ausgeführt. Das verfahrbare Innendach kann dank der schienengelagerten Dreigurtbinder vollständig in die Gesamtstruktur integriert werden. In der Parkposition wird es von außen nicht nur unsichtbar sein, sondern der Mechanismus erlaubt auch eine gänzlich freie Dachöffnung – ohne Kabelwerk oder einem Zentralknoten. An der inneren Dachkante befindet sich ein umlaufender 360°-Screen aus LED-Modulen.