China, Shenzhen 

Universiade Sports Center

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Wettbewerb 2006 – 1. Preis
Entwurf
Meinhard von Gerkan und Stephan Schütz mit Nicolas Pomränke
Projektleitung Ralf Sieber
Mitarbeiter
Xu Ji, Alexander Niederhaus, Huang Cheng, Niklas Veelken, Martin Gänsicke, Stephanie Brendel, Marlene Törper, Andrea Moritz, Zheng Xin, Kralyu Chobanov, Chen Zhicong, Thomas Krämer, Lin Wei, Martin Schulte-Frohlinden, Plamen Stamatov, Christian Dorndorf, Lian Kian, Zhou Bin, Tobias Keyl, Li Ling, Helge Lezius, Meng Xin, Kuno von Haefen
Chinesische Partnerbüros
SADI (Stadion), CNADRI (Multifunktionshalle), CCDI (Schwimmhalle), BLY (Freiraumplanung)
Tragwerksentwurf und -planung Dach
schlaich bergermann und partner – Sven Plieninger mit Wei Chen
Haustechnik
IG Tech
Lichtplanung
Conceptlicht
Akustikplanung
Acoustic Design Ahnert
Fassadenplanung
Shen und Partner
Bauherr
Bureau of Public Works of Shenzhen Municipality
Bauzeit
2007–2011
Planungsgebiet
870.000 m²
Sitzplätze Stadion
60.000
Sitzplätze Multifunktionshalle
18.000
Sitzplätze Schwimmhalle
3.000

 

Fotografen:

Christian Gahl

www.christiangahl.com

Kristalline architektonische Formen im Landschaftspark
Die Stadt Shenzhen auf dem Festland vor Hongkong hat sich 2005 um die Ausrichtung der 26. Sommer-Universiade 2011 beworben. Die Sommer-Universiade ist, gemessen an der Zahl der teilnehmenden Athleten, neben den Olympischen Sommerspielen die zweitgrößte Multisportveranstaltung der Welt. Das Areal mit einer Vielzahl von sportlichen Einrichtungen trägt dem enormen Wachstum der Stadt im Perlfluss- Delta Rechnung und bezieht die umgebende Landschaft in die Gesamtkonzeption einer "Sportstadt" ein. Im Januar 2007 wurde die 26. Sommer-Universiade 2011 an Shenzhen vergeben.

Ziel der Planung
Das Universiade Sportzentrum wird sowohl den funktionalen Anforderungen internationaler Sportveranstaltungen als auch der Organisation von anderen großen und kleinen Events und Konzerten gerecht. Ziel ist es, ein kulturell bedeutsames und symbolisches Projekt für Shenzhen zu schaffen. In gleichem Maße wird großer Wert auf die öffentlichen Einrichtungen des Sportparks gelegt. So sollen diese außerhalb der Veranstaltungszeiten den Bürgern für Freizeit und Erholung zur Verfügung stehen. Der neue Stadtteil bietet verschiedene Sportanlagen, Wohnviertel, Freizeit- und Einkaufsmöglichkeiten. Sowohl die Sportstätten – Stadion, Multifunktions- und Schwimmhalle – als auch die städtischen Quartiere fügen sich in die Landschaft am Fuß des Berges Tong Gu Ling im Zentrum des Gebietes ein.

Masterplan

Der Entwurf leitet sich aus der umgebenden hügeligen Landschaft her. Dadurch wird auf dem Gelände des Sportzentrums eine topografische Modulation mit Verkehrsströmen auf verschiedenen Ebenen ermöglicht.
Ein künstlicher See verbindet das Stadion am Fuße des Berges mit der kreisförmigen Multifunktionshalle im Norden und der rechteckigen Schwimmhalle westlich davon. Über eine erhöhte Promenade gelangt man von den einzelnen Stadien zur zentralen Sport-Plaza. Mit zwei 150 m hohen Häusern bildet das Dienstleistungszentrum im Norden den Abschluss des Sportkomplexes.

Entwurfskonzept
Der gesamte Komplex ist als ein weitläufiger Landschaftspark mit typischen Elementen eines traditionellen Chinesischen Gartens gestaltet: Wasserläufe und Pflanzen symbolisieren Bewegung und Entwicklung, kristalline Strukturen in Form von Steinen und Felsen repräsentieren Kontinuität und Stabilität. Der Dialog der fließenden landschaftlichen Formen mit der expressiven Architektur der Stadien bildet den konzeptionellen Rahmen des Entwurfs. Die kristalline Form der drei Stadien wird durch die nächtliche Beleuchtung der transluzenten Fassaden zusätzlich betont.

Hauptstadion
Das Stadion ist als Multifunktionsstadion geplant und erfüllt die Anforderungen lokaler, nationaler und internationaler Sportveranstaltungen und Events. Die Gesamtkapazität liegt bei 60.000 Zuschauern, die auf drei Tribünen ihre Sitzplätze finden. Im westlichen Mittelrang befindet sich die Ehrentribüne mit etwa 200 Plätzen und zugehörigen Ehrenlogen. Zwischen Mittel- und Oberrang sind 60 VIP-Logen mit zugehörigen Sitzplätzen angeordnet. Auf der Spielfeldebene unter den Tribünen sind alle sporttechnischen und anderen Funktionsräume untergebracht. Ehrengäste und Medienvertreter können sich hier in der dafür vorgesehenen Mixed-Zone treffen. Die Erschließung der einzelnen Nutzergruppen erfolgt kreuzungsfrei.

Die Sport Plaza dient als Haupterschließungs- ebene für die Zuschauer. Zugänge zum Unterrang und Treppen zu Mittel- und Oberrang alternieren mit Kiosken und sanitären Anlagen. Die großzügigen Durchgänge erlauben schon von Weitem attraktive Einblicke in das Stadionrund und ermöglichen eine gute Orientierung. Der geschwungene Oberrang wird über zwölf großzügige Treppen entlang des Umganges erschlossen, die eindrucksvolle Blicke in die Dachkonstruktion und zu den anderen Stadien ermöglichen. Der Oberrang ist in zwei Teile geteilt und, da er sich der Kreisform annähert, zweifach geschwungen. Auf diese Weise ergibt sich eine spannungsvolle Form des Stadions sowohl im Inneren als auch von außen gesehen.

Dachkonstruktion und Fassaden
Die Dachkonstruktion kragt bis zu 65 m weit aus und ist als Stahlfaltwerk auf Basis dreieckiger Flächen konzipiert. Der gesamte Durchmesser des Daches beträgt 310 Meter in Längs- und 290 m in Querrichtung. Dach und Fassade weisen jeweils drei Schichten auf. Die äußere Fassadenschicht ist eine transluzente Verglasung aus dreieckigen VSG-Scheiben bzw. Polycarbonat-Platten. Die innen liegende, ebenfalls transluzente Membran-Schicht erfüllt die Anforderungen an Verschattung und Akustik und dient als Reflektionsfläche für die Fassadenbeleuchtung. In dem Zwischenraum befindet sich die gefaltete primäre und sekundäre Stahlkonstruktion. Außerdem ist der Großteil der technischen Installation in diesen Bereich integriert.

Multifunktionshalle

Die Sporthalle ist als kreisrunde multifunktionale Arena sowohl für Hallen- und Eissportveranstaltungen als auch für Konzerte, Versammlungen und Ausstellungen geplant. Die Gesamtkapazität beträgt 18.000 Zuschauer. Die Sitzplätze sind auf zwei Rängen angeordnet, wobei die unteren Reihen mit 3.000 Sitzen als Mobiltribünen ausgeführt sind. Die Sitzplätze sind in der Weise angeordnet, dass in allen Bereichen  optimale Sichtbedingungen bestehen und eine reibungslose Verkehrsführung und Verteilung der Zuschauer erfolgen kann.

Schwimmstadion
Das Schwimmstadion ist die dritte wichtige Sportstätte im Universiade Sportzentrum. Seine architektonische Gestaltung berücksichtigt die funktionalen Anforderungen an diese Art von Gebäude sowie das übergeordnete  Erscheinungsbild der kristallinen Volumina in dem Sportpark. Die insgesamt 3.000 Zuschauer finden auf zwei Rängen in der Wettkampfhalle Platz. Neben dieser Halle befindet steht eine weitere Halle, die für den Breitensport oder Aufwärmzwecke zur Verfügung steht.