Lettland, Jurmala, Riga 

Villa Guna

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Entwurf Meinhard von Gerkan
Mitarbeiter Hinrich Müller
Bauherrin Guna Eglite
Ausführung  Vincents, Riga
Bauzeit 2005-2006
BGF 635 m²

 

Fotografen:

Heiner Leiska

www.leiska.de

Das Konzept
Gleich neben dem im Jahr 2001 nach den Plänen von Meinhard von Gerkan fertiggestellten Apartmenthaus am Rigaer Ostseestrand erwarben die Bauherren - Guna Eglite und Leons Jakrins - ein weiteres Grundstück. Ganz nach den Wünschen von "the very good lady" Guna sollte auf diesem, dicht mit Kiefern bewachsenen, schmalen Grundstück ein weiteres Haus gebaut werden.

Bei dem Entwurf stand nicht die eigentliche Funktionalität einer Villa im Vordergrund, sondern vielmehr das räumliche Erlebnis, hervorgerufen durch die Zwiesprache mit der umgebenden Natur und dem Ausblick über die Dünenlandschaft hinweg zum Strand von Riga.

Die Organisation
Die Villa Guna öffnet sich als U-förmiger Gebäudekörper nach Süden. Der Besucher betritt das Wohnhaus wettergeschützt unter einer Auskragung im Westteil. Dieser westliche Teil des Wohnhauses ist repräsentatives Entree und nimmt in seinen Obergeschossen Schlafräume inklusive Bade- und Ankleidezimmern für die Hausherrin und ihre Gäste auf. Im Ostteil des Hauses befinden sich die Wohnräume.

Das Gebäude ist als Split-Level Haus organisiert. Das heißt, die Ebenen sind um ein halbes Geschoss gegeneinander versetzt. Dadurch wird eine mehrläufige Rampe zum zentralen Element des Gebäudes. Sie nimmt die Mitte ein, verbindet und ist dabei Teil des Wohnerlebnisses. Angrenzende Funktionen wie die Bibliothek des Hauses öffnen sich zur Mitte und lassen Einblicke zu. Gleichzeitig kann der Besucher ständig wechselnde Ausblicke in die Natur genießen. Dabei wird die Erschließung - die Rampe - wird zum Erlebnis.

Der Wohnraum
Eine großflächige Fensterfront öffnet den Wohnraum zu einer vorgelagerten Terrasse nach Südwesten. Der Kamin als Mittelpunkt im Wohnraum ist bereits von außen als vertikales Element ablesbar. Die Bewohner haben durch die Positionierung des Kamins immer auch einen Bezug nach draußen.

Ein Luftraum verbindet den zweigeschossigen Wohnbereich. Eine schmale Treppe aus einfachen, in die Wand eingelassenen Holzstufen verbindet die beiden Wohnebenen auf kurzem Wege. Auf beiden Ebenen zieht der elegante Schwung der Galeriebrüstung die Blicke auf sich. Auf der zweiten Ebene ist der S-förmige Schwung der Brüstung als einfache Skulptur herausgearbeitet. Der Galeriebereich bietet Rückzugsmöglichkeiten; mit einem eigenen Kamin ausgestattet bietet sich den Nutzern der gleiche, grandiose Blick in den Wald von Jurmala.

Der Turm
Neben vielfältigen Terrassen und Austritten lässt eine Besonderheit der Villa Guna die Natur seinen Nutzern besonders nahe kommen. Eine Plattform in der Nordwestecke des Gebäudes erhebt sich 15m über den Waldboden. Das Skulpturale des Gebäudekörpers findet seine Vervollkommnung hier in diesem Aussichtsturm. Mitten in den Wipfeln der Bäume, das Meer hinter den Baumkronen erahnend, ist die Plattform vielleicht der kontemplativste Ort des Wohnhauses.