Tianjin Binhai Cultural Center von gmp fertiggestellt

 

Unter der Federführung von gmp Architekten von Gerkan, Marg und Partner (gmp) entstand im ostchinesischen Tianjin das Binhai Cultural Center, das fünf Kulturbauten internationaler Architekten an einem Ort zusammenfasst. Mit dem Konzept einer überdachten Kulturmeile formulierte gmp eine eigene Typologie für eine besondere Bauaufgabe. Die parasolartige Konstruktion eint das Zentrum als Ensemble und besteht als architektonisches Element neben den von verschiedenen Architekturbüros entworfenen Kulturbauten.

 

Direktauftrag 2013
Entwurf Meinhard von Gerkan und Stephan Schütz mit Stephan Rewolle
Projektleitung Sui Jinying, Sebastian Linack
Mitarbeiter Dinah Borjans, Maarten Harms, Lu Yun, Dimitri Philippe
Projektmanagement Wu Di, Liu Yangjiao
Partnerbüro Tianjin Architectural Design Institute (TADI)
Bauherr Tianjin Binhai New Area Cultural Center Cci Capital Ltd
Bauzeit 03/2015 – 10/2017
BGF 31.600 m²

Unter der Federführung von gmp Architekten von Gerkan, Marg und Partner (gmp) entstand im ostchinesischen Tianjin das Binhai Cultural Center, das fünf Kulturbauten internationaler Architekten an einem Ort zusammenfasst. Mit dem Konzept einer überdachten Kulturmeile formulierte gmp eine eigene Typologie für eine besondere Bauaufgabe. Die parasolartige Konstruktion eint das Zentrum als Ensemble und besteht als architektonisches Element neben den von verschiedenen Architekturbüros entworfenen Kulturbauten. Chinas Metropolregionen wachsen seit Jahren rasant. Mit städtebaulichen Entwicklungsprojekten definieren die Kommunen vielerorts ihre urbanen Parameter neu. In der ostchinesischen Hafenstadt Tianjin entsteht so seit 2010 durch den Zusammenschluss von drei Bezirken der neue Stadtteil Binhai New Area. Mitten in dem Viertel vereint das Tianjin Binhai Cultural Center fünf kulturelle Institutionen. Für das außergewöhnliche städtebauliche Konzept war gmp verantwortlich und entwarf darüber hinaus das Museum für moderne Kunst. Vier internationale Architekturbüros gestalteten weitere Kultureinrichtungen: eine Bibliothek (MVRDV), ein Science & Technology Museum (Bernhard Tschumi Architects), ein Theater (Revery Architecture, vormals Bing Thom Architects) und ein Bürgerzentrum (Hua Hui Architects).
Die außergewöhnliche Aufgabe, unterschiedliche Kulturbauten von Architekten aus China, Europa und Nordamerika zu einem Ensemble zu vereinen, beantwortet der Masterplan mit einheitlichen Baufluchten und Traufhöhen sowie Vorgaben zur Tiefe der einzelnen Baukörper. Die Kulturbauten sind durch eine überdachte Kulturmeile miteinander verbunden, die das Rückgrat des Zentrums bildet. Entlang der 330 Meter langen und 25 Meter breiten Hauptachse in Nord-Süd-Richtung sind zu beiden Seiten die verschiedenen Museen-, Ausstellungs- und Veranstaltungsbauten aufgereiht. Mit 100 Metern ist die Ost-West-Achse deutlich kürzer, mit 60 Metern allerdings mehr als doppelt so breit und fungiert als zentrale Plaza für Veranstaltungen und temporäre Ausstellungen.
Überspannt wird der Cultural Corridor von einer 30 Meter hohen schirmförmigen Stahlstützenkonstruktion, die aus 26 einzelnen Stützen besteht. Diese sind am Fußpunkt eingespannt. Die aufstrebende  Konstruktion verleiht dem Tianjin Binhai Cultural Center einen eigenständigen formalen Ausdruck und lässt die Architekturen der Kulturbauten unangetastet. Die schlanken Stahlstützen nehmen die Lasten aus dem verglasten Flachdach auf und entwässern die Dachfläche durch integrierte Fallleitungen. Horizontale Aluminiumlamellen filtern das einfallende Licht und sorgen für Sonnenschutz.
Die Besucher können auf zwei Ebenen flanieren: Die obere Ebene verbindet die unterschiedlichen Kulturbauten, auf Straßenniveau ergänzen kulturnahe Geschäfte und Gastronomie das kulturelle Angebot. Über zahlreiche Treppenanlagen sind die beiden Levels miteinander verschränkt, so dass sich die Besucher ungehindert horizontal und vertikal in der Kulturmeile bewegen und zwischen Kunst und Geschäften einfach wechseln können.
„Das Projekt ist im Grunde genommen ein absolutes Experiment. Anders als bei dem unter Beteiligung unseres Büros 2012 fertiggestellten Kulturzentrums im Zentrum der Stadt Tianjin, bei der ein ausgedehnter Park die Solitäre der Kulturbauten miteinander verbindet, ist es in Binhai der schirmüberdachte Innenraum, der dem Kulturzentrum seine unverwechselbare Identität verlieht.“ – Stephan Schütz, Partner


„Architecture of Mobility" >
< Gastprofessor an Tongji Universität