gmp gewinnt städtebaulichen Wettbewerb in Bietigheim-Bissingen

 

Für das Areal der Deutschen Linoleum-Werke (DLW) formulierte gmp einen städtebaulichen Entwurf, der sich in die gewachsene Stadtstruktur einfügt und neue Wohn- und Arbeitsformen mit konventionellen Typologien kombiniert. Neben Eigentums- und gefördertem Mietwohnungsbau sollen Sonderwohnformen wie Wohnbüros, Ateliers und Kleinwohnungen entstehen. Auf die lärmintensive Bahntrasse und Bundesstraße antwortet das Konzept mit Gebäuderiegeln, die das neue Quartier schallschutztechnisch abschirmen.

Wettbewerb 2018 – 1. Preis
Entwurf Meinhard von Gerkan und Nikolaus Goetze mit Dirk Heller
Projektleitung Wettbewerb Marcus Tanzen
Mitarbeiter Kim Seung-Yeon, Feng Cai
Freianlagen Michael Kaschke, WES LandschaftsArchitektur, Hamburg
Verkehrsplanung ARGUS Stadt und Verkehr Partnerschaft mbB, Hamburg
Bauherr Stadt Bietigheim-Bissingen
Planungsareal 8,5 ha

Mit dem Rückzug der Deutschen Linoleum-Werke (DLW) aus Bietigheim-Bissingen bietet sich der Kommune an zentraler Stelle die Möglichkeit, städtebaulich nachzuverdichten und neuen Wohn- und Arbeitsraum für 1.500 Menschen zu schaffen. Unter dem Namen „Bogenviertel“, abgeleitet von der Bahntrasse, die in einem großen Bogen das Planungsgebiet umschließt, hat die Stadt einen städtebaulichen Wettbewerb für die Umnutzung des DLW-Areals ausgelobt. Das 8,5 Hektar große Werksgrundstück verfügt mit dem fußläufig erreichbaren Bahnhof über eine sehr gute Anbindung an das öffentliche Nahverkehrsnetz der Metropolregion Stuttgart. Die innerstädtische Lage zwischen der stark frequentierten Bahnstrecke im Osten und der vielbefahrenen Bundestraße B 27 im Westen erfordert eine städtebauliche Lösung, die angemessen auf die Problematik des zweiseitigen Lärmeintrags reagiert.

Als Reminiszenz an die DLW wird das Verwaltungsgebäude im Norden als industrielles Denkmal erhalten und nimmt zukünftig Büronutzungen auf. Eine Ringstraße erschließt das Viertel, die im Süden an die B 27 angeschlossen wird. Von Norden nach Süden führt eine Fußgängerachse durch das Areal, die im Zentrum verspringt und einen Quartiersplatz als Treffpunkt für die Bewohner aufspannt. Zwei versetzt angeordnete Baukörper schließen das Bogenviertel im Süden ab und lenken so den Fußgängerstrom zum Bahnhofsvorplatz. Um den zentralen Quartiersplatz sind vier Wohnblöcke mit jeweils vier Vollgeschossen plus Staffelgeschoss vorgesehen, die sich zu drei Seiten öffnen. Für eine gute Durchmischung sollen sowohl Eigentumswohnungen als auch geförderter Mietwohnungsbau entstehen. Die PKW-Stellplätze für die Mietwohnungen werden in zwei zentralen Hochgaragen untergebracht. Die Hochgaragen sind eine wirtschaftliche Alternative zu Tiefgaragen, die die Baukosten reduzieren und zudem auch einfacher rückgebaut werden können. Entlang der lärmintensiven Straße und der Bahntrasse schirmen sechsgeschossige Gebäuderiegel das Quartier ab. Zur Straße entstehen Büro- und Gewerbeflächen, die aufgrund ihrer zentralen Lage als Standort für Dienstleister, Praxen und Geschäfte attraktiv sind. Für den Riegel entlang der Bahntrasse schlägt das Konzept kostengünstige Sonderwohnformen wie Kleinwohnungen für Pendler, Studenten und Auszubildende vor, deren Wohnräume allein zum Quartier orientiert sind. Zusätzliche Schallschutzmaßnahmen wie spezielle Kastenfenster in der rückwärtigen Fassade reduzieren die Lärmbelastung. Zwischen der Randbebauung und den Blockstrukturen im Inneren vermitteln siebengeschossige Punkthäuser, in denen Mischnutzungen aus Wohnbüros, Ateliers und Loftwohnungen vorgesehen sind.

Das städtebauliche Konzept bietet die Möglichkeit, das Quartier in drei Bauphasen schrittweise von Norden nach Süden zu realisieren, wobei bereits im ersten Bauabschnitt mit der Kindertagesstätte und dem Blockheizkraftwerk wichtige infrastrukturelle Einrichtungen für das Viertel entstehen sollen. Mit dem Abriss der ehemaligen Produktionsstätten der DLW wird voraussichtlich 2020 begonnen.

Pfisterer und Gossmann mit Vortrag bei der SCHULBAU >
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